Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
XXV
Einzelbild herunterladen
 

XXV

alten Völker dagegen, auch die Tonangeber der Civilisation, habendieses gegenwärtig als selbstverständlich anerkannte Recht durchausnicht anerkannt. Wenn die Fremden, die in ihr Gebiet verschlagenwurden, nicht mehr geopfert wurden, so wurden sie doch unterdrückende Ausnahmegesetze, nur um eine Stufe hoher als die Sklavengestellt. Diese Lieblosigkeit gegen Fremde hat sich zur Schmach derVölker auch noch nach dem Untergang der alten Welt erhalten.Die Milde gegen Sklaven und selbst die erste Anregung zur Eman-cipation derselben ist vom israelitischen Volke ausgegangen.

Noch weniger kannten die alten Völker die keusche Selbst-heiligung der Menschen. Sie waren in Unzucht und fleischlicheVerirrungen versunken. Die jüdischen Sibyllinen-Dichter haben sicoft und nachdrücklich genug gewarnt, als die alten Völker noch aufder Höhe ihrer Macht standen, daß sie durch die unnatürlicheSelbstbefleckung, durch Lieblosigkeit, durch ihre verkehrte Göttcr-lehre und die daraus erwachsene Sittenlehre dem Tode entgegen-gehcn würden. Sic verspotteten die mahnende Stimme, fuhren fort,sich selbst zu schwächen und gingen unter. Ihre Kunst und ihreWeisheit vermochten sie nicht vom Tode zu retten. Das israelitischeVolk hat also einzig und allein die Erlösung gebracht, indem esdie Selbstheiligung, die Gleichheit aller Menschen, die Ebenbürtig-keit der Fremden mit den Eingeborenen und Das, was man Hu-manität nennt, verkündet hat. Es ist nicht überflüssig zu erinnern,daß der Grundstein der Gesittung:Du sollst Deinen Nächsten wieDich selbst lieben" von diesem Volke gelegt wurde. Wer hat dieArmen ans dem Staube, die Nothleidenden, die Verwaisten undHilflosen aus dem Aschenhaufcn erhoben? Das israelitische Volk.Wer hat den ewigen Frieden, als heiliges Ideal für die Zukunft,aufgestellt:daß ein Volk gegen das Andere nicht mehr das Schwertzücken, daß sie nicht mehr die Kriegskunst erlernen werden?"Israels Propheten. Man hat dieses Volk ein wandelndes Ge-heimniß genannt, man sollte es vielmehr eine wandelnde Offen-barung nennen. Es hat das Geheimniß für das Leben geoffenbart,es hat die Kunst aller Künste gelehrt, wie ein Volk sich vor Unter-gang bewahren kann.

Es ist nicht wahr, daß dieses Volk die Entsagung, die Selbst-kasteiung, eine düstere, schwermüthige Lebensanschauung eingeführt,die mönchische Asketik angebahnt und das blühende Leben mit einem