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machen. Inmitten einer lasterhaften, geschlechtlich unfläthigen Weltgestellt, sollte es einen Gegensatz gegen dieselbe bilden und dieFahne sittlicher Lauterkeit anfpflanzen.
Die Lebensanschauung der alten Völker hing aber mit derAnschauung vom Göttlichen aufs Engste zusammen; sie bedingteneinander. War die verkehrte Sittenlehre die Tochter der verkehrtenGötterlehre oder ihre Mutter? Wie auch ihr Berhältniß von Ur-sache und Wirkung gewesen sein mag, es änderte nichts an denverderblichen Folgen. Die Vielgötterei an sich, mag sie poetischnoch so sehr verklärt sein, nährte Zwiespältigkeit, Leidenschaftlichkeitund Haß. Im Rathe vieler Götter kann der Streit nicht fehlen, siemüssen mit einander in Gegensatz und Feindschaft treten. Wenn dievon den Menschen göttlich verehrten Wesen auch nur in eine Zweizahlauseinandergehen, so entsteht für dieselben ein feindlicher Gegensatz:ein Gott der Schöpfung und ein Gott der Zerstörung, oder ein Gottdes Lichtes und ein Gott der Finsterniß. Die schöpferische Gottheitwird noch dazu in zwei Geschlechter zerlegt, und damit besitzt siealle Schwächen der Geschlechtlichkeit. Man sagt zwar: die Menschenhaben die Götter in ihrem Ebenbilde geschaffen; aber die einmalfest ausgeprägte Mythologie bedingte denn doch das sittliche Ver-halten der Göttervcrehrer; diese wurden ebenso lasterhaft wie dieVorbilder, die sie verehrten. Da trat das Volk Israel mit einemGegensatz auf und verkündete einen Gott, der mit sich eins ist undsich nicht verändert, einen heiligen Gott, der von den MenschenHeiligkeit fordert, einen Schöpfer des Himmels und der Erde, desLichtes und der Finsterniß, der zwar hoch und erhaben, aber dochden Menschen nahe ist und ganz besonders sich der Armen undBedrängten annimmt, einen Gott des Eifers zwar (nicht einen Gottder Rache), dem das sittliche Verhalten der Menschen nicht gleich-gültig ist, aber auch einen Gott der Barmherzigkeit, der alle Menschenmit Liebe umfaßt, weil sie seiner Hände Werk sind, einen Gott, demdas Böse ein Greuel ist, einen Gott der Gerechtigkeit, einen Vaterder Waisen, einen Annehmer der Wittwen. Das war ein welt-wichtiges Wort, das tief in die Herzen der Menschen drang und dieschönen und starken Götter später in den Staub schleuderte.
Weltwichtig wurde dieser Kerngedanke erst durch die sittlicheGesinnung, die aus ihm abgeleitet wurde. Es ist wahrlich nichtgleichgültig für das moralische Handeln der Menschen im Kleinen
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