Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
XII
Einzelbild herunterladen
 

angaben. Wenn die Zahlen auch an Ort und Stelle und imAugenblick des Ereignisses genau ausgenommen sind was nichtimmer möglich ist so behält sie das Gcdächtniß nicht, vermehrtoder vermindert sie. Daher variiren die Zahlenangaben in denverschiedenen Quellen, welche eine und dieselbe Thatsache überliefern.Sicherer sind schon die chronologischen Angaben, soweit sienicht den Charakter runder Zahlen haben (vgl. die Note Chrono-logie). Zahlen können aber auch durch Abschreiber entstellt sein;in solchem Falle ist es Sache der Kritik, das Ursprüngliche undRichtige zu ermitteln.

Für das Materielle der Geschichte dagegen gewährt die topo-graphische Bestimmtheit eine so sichere Bürgschaft, daß sie für dieKritik ein Correktiv bietet. Solche Erzählungen nämlich, in denen dieLocalität unbestimmt gehalten oder ganz verwischt ist, können nichtoder wollen gar nicht als historische Thatsachen gelten, sondern habenlediglich einen didaktischen Zweck oder gehen ans eine Tendenzaus. Die Chronik bietet öfter Gelegenheit, diese Scheidung zumachen. Soweit ihre Relationen bei der Begebenheit einen Ortindividualisiren, sind sie historisch, wenn sie aber einen solchen ver-missen lassen, sind sie didaktisch oder tendenziös. Dieselbe Bewandtnißhat es auch mit den mit der Chronik zusammenhängenden BüchernEsra und Nehemia und auch noch mit dem ersten Makkabäer-buche. Was den Pentateuch betrifft, so haben nur diejenigen Par-tien in demselben, welche die Geschichte des Volkes Israelbetreffen, für dessen Urgeschichte historische Wichtigkeit. Die Partieder Genesis von der Weltschöpfung bis zum Auftreten der Tera-chiden gehört nicht zur israelitischen Geschichte und hat nur alskosmogonische und ethnogenealogische Anschauung Bedeutung. Selbstder übrige Theil der Genesis, welcher die Familiengeschichte derAbrahamiten znm Inhalt hat, liefert nicht Stoff für die eigentlicheGeschichte, sondern bildet nur die Vorgeschichte des Volkes. Erstmit dem Exodus beginnt der eigentliche Geschichtsprozeß. Die in diesenQuellenschriften überlieferten Hauptthatsachen sind indeß unzweifel-haft historisch, weil sie auch anderweitig von Schriften, die unab-hängig vom Tetrateuch sind, beurkundet werden. Die prophetischeoder psalmistische Poesie hat sie vielfach verklärt. Der Aufenthaltdes Volkes in Aegypten und sein Nothstand in diesem Lande, sowiedie Befreiung und der Durchzug durch das Meer (oder den See)