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Behauptung unter Beweis zu stellen suchte, wobei er die an-geführten Stellen meistenteils aus dem Zusammenhang lösteund es an Sophismen nicht fehlen ließ. Die Führer derjüdischen Intelligenz in Berlin mochten die Tragweite dieserBewegung unterschätzt haben, keinesfalls waren sie über dieMittel sich klar, um der immer höher anschwellenden Flut zubegegnen; die Ausfälle Treitschkes wollte man jedoch nichtunerwidert lassen, weil man in ihnen mehr als bloß die Aus-lassungen eines Professors zu vermuten Grund hatte. Darauf-hin ließ der als nationalökouomischer Schriftsteller bekannte,als lauterer und edler Charakter hochgeschätzte H. B. Oppenheimsich verleiten, auf die herausfordernden JnkriminationenTreitschkes ohne weitere Prüfung Graetz', dessen Schriften ereingestandenermaßen gar nicht recht gelesen hatte, über Bordzu werfen und ihn „als einen taktlosen und zelotisch einseitigenMann, dessen große Gelehrsamkeit durch die Absurdität seinerNutzanwendungen um ihren ganzen Segen gebracht wird",abzutun?) Diese eigentümliche Verteidigungsweise des Juden-tums hatte einen geradezu tragikomischen Eindruck gemachtund hatte zwar niemanden tief aufgeregt, aber sie erwies sichals symptomatisch für die Gesinnung und Denkweise dergeistigen Notabilitäten der damaligen Berliner Judenschaft.
Eine Verkennung und Unterschätzung der Bedeutung, dieGraetz als Historiker unstreitig gewonnen hatte, trat dann auchin bedauerlichen: Maße zu Tage, als bei der Bildung der vomdeutsch-israelitischen Gemeindebund ins Leben gerufenenhistorischen Kommission zur Herausgabe von Quellen der Ge-schichte der Juden in Deutschland (1885) gerade Graetz über-gangen und völlig ignoriert wurde. Den verdientesten Histo-riker, den das Judentum zur Zeit aufzuweiseu hatte, durfteman nicht schlechtweg ausschließen; man durfte nicht vergessen,daß Graetz auf diesem Arbeitsfeld jedenfalls am meistenheimisch war, und daß er besser und genauer als jeder anderealle Probleme und Desiderieu, die in Betracht kamen, kannte.Wenn auch die Kommission aus hochaugesehenen Gelehrtenzusammengesetzt war, so gab es in ihr doch keinen, der diefür diese Zwecke unentbehrliche Kenntnis des jüdischen Schrift-tums in dem Maße und in dem Umfange wie Graetz besaß,und keinen, der die Beherrschung dieses Arbeitsgebietes durch
i) Die Gegenwart von Lindau, 1880, Bd. 17, S. 18 ff.