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Bücher sollte kritisch gesichtet und restauriert werden. Aberauf diesem Arbeitsfelde leuchtete ihm kein so glücklicher Sternund war ihm kein so glänzender, siegreicher Erfolg beschiedenwie auf historischem Gebiet, wo er bahnbrechend durchgegriffenhatte. Trotzdem dürfen seine exegetischen und kritischenLeistungen in ihrem Wert und ihrer Wirkung nicht etwa unter-schätzt werden. Die exegetischen Schriften und Aufsätze sindreich an neuen Gesichtspunkten und interessanten Anregungen,sie haben immerhin für die Bibelkritik zahlreiche Keime frucht-barer Förderung ausgestreut und für die Entwicklung derBibelexegese tiefe und bleibende Spuren zurückgelassen. Schondiese Arbeiten, für sich allein originell und bedeutend genug,um sonst ein ganzes Gelehrtenleben auszufüllen, würdenhinreichen, um dem Verfasser einen ehrenvollen Namen undeinen hervorragenden Platz in der Geschichte der jüdischenWissenschaft zu sichern.
IX.
Die letzten Lebensjahre.
Die steigende Anerkennung und Verehrung, deren sichGraetz aus den Kreisen seiner zahlreichen Leser und Bewunderer,aus der wachsenden Zahl seiner aufblühenden Schüler undFreunde zu erfreuen hatte, war nicht ganz ohne Trübunggeblieben. 1879 wurde der leicht entzündliche Judenhaß inDeutschland als antisemitische Bewegung wieder entfesselt,um ein sicher wirkendes politisches Agitationsmittel zur Ver-fügung zu haben. Heinrich von Treitschke, ein mehr patriotischerglühter, als Wort und Wahrheit sorgsam wägender Historiker,ein Publizist von eindringlich rednerischem Pathos und glänzen-der Stilbegabung, trat bald als Rufer im Streit dabei hervor.Er skandalisierte sich über den Geist der Überhebnng, der neuer-dings in jüdischen Kreisen erwacht sein und eine Gefahr fürdas deutsche Reich bedeuten sollte, und exemplifizierte dabei aufGraetz, der in seiner Polemik gegen das Christentum an-geblich kein Maß halte und über die deutsche Nation in seinerGeschichte sich ganz respektlos äußere. H Graetz erwiderte undTreitschke widmete ihm einen Artikel,in welchem er seine
1) Preußische Jahrbücher 1879, Bd. 44, S. 572 ff.
2) A. a. O., S. 660.
Graeh, Biographie. 5