wissen, die Kühnheit in der Kritik nichts Erschreckendes, wosie mit Sprach- und Sachkenntnis, mit Scharfsinn und vorallem mit gesundem Menschenverstand verbunden auftritt.Gewiß werde ich Ihnen nicht in jedem Falle zustimmen können,wo Sie vielleicht mit allzu großer Zuversicht das Richtige ge-troffen zu haben meinen; allein das hindert mich nicht an-zuerkennen, daß Ihr Buch durch eine Fülle vortrefflicherEmendationen eine wesentliche Bereicherung der biblischenLiteratur ist." Mancher glückliche Griff ist Graetz offenbar-gelungen, und es fehlte ihm auch nicht an Zustimmung; imallgemeinen jedoch wurden seine Resulate so entschieden ab-gelehnt, daß wohl von einer späteren Zeit sicherlich eine Nach-prüfung zu erwarten steht, welche den Weizen von der Spreusondern wird. Er selbst ließ sich in seinem exegetischen Vor-gehen durch nichts beirren; entschlossen, aller Schwierigkeitenim alttestamentlichen Wortlaut mit allen ihm zur Verfügungstehenden Mitteln Herr zu werden, glaubte er sich berechtigt,auf dem Gebiet der Textkritik, worauf sich schließlich seine Aus-legung hauptsächlich konzentrierte, sich mit immer größererFreiheit zu bewegen und durch kühne Konjekturen, in derenAuffindung sein nachfühlender Geist unerschöpflich war, denschadhaften Bibeltext, wenn auch nicht gerade auf seine ur-sprüngliche Gestalt, so doch auf die ursprüngliche Tendenz desSchriftfinnes annähernd zurückzuführen. Wiewohl er sonststets darauf bedacht war, den Anschluß und die Fühlung mitder Überlieferung zu behalten, und eine destruktive Tendenzihm überaus fern lag, trieb ihn hierbei sein konstruktiver Eiferso weit fort, daß er schließlich den Boden des Schriftwortesund der realen Wirklichkeit immer mehr unter sich verlor undseinen Scharfsinn meist in dem blendenden Feuerwerk raketen-artig aufblitzender Emendationen versprühen ließ. In dieserRichtung bewegen sich seine exegetischen Studien zum Pro-pheten Jeremiah (Monatsschrift 1883 , Jahrg. 32 ), zu denSalomonischen Sprüchen (Monatsschrift 1884 , Jahrg. 33 ) undder schöne Aufsatz zur Bibelexegese (Monatsschrift 1886 ,Jahrg. 35 ). Ja, er ging sogar in feinen letzten Lebensjahrenan die Ausführung eines weit ausschauenden, umfassendenPlaues, den er schon lange mit sich umhergetragen und mitdessen Verwirklichung er das Tagewerk seines Lebens als ab-geschlossen betrachten wollte: die Textgestalt sämtlicher biblischer
Druckschrift
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
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64
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