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das die Schwärmer David Reubeni uud Salomo Molchoumspielte, und dem man keinen größeren Glauben als etwaeiner Halluzination und Phantasterei beizulegen geneigt war,hat Graetz (Bd. 9) die abenteuerliche Wirklichkeit herausge-funden. Er besaß eben einen merkwürdigen Instinkt für dieRealität von Tatsachen, so verwunderlich sie auch erschienen,und dazu eine seltene Sagazität, um einen entstellten Textauf seinen tatsächlichen Inhalt zu verstehen und zu emendieren.
Solche Eigenschaften hatten ihn be-fähigt, die talmndische Denk- und Aus-drucksweise erfolgreich in die moderneEmpfindung und Anschauung zu über-tragen und eine m u st e r h a f t e Anleitungzu geben, wie man die Schriften der tal-mudischen Zeit als wertvolle Geschichts-quellen kritisch zu verwerten und auszu-nutzen habe. Die nichtjüdischen Gelehrten und Unge-lehrten waren schnell fertig damit, was so häufig auf diesemSchriftgebiet unverständlich oder befremdlich lautet, als tal-mudische Unwissenheit oder rabbinischen Aberwitz zu erklären,und die Männer der jüdischen Aufklärungsperiode schwanktenzum mindesten, ob sie nicht solcher Verurteilung beipflichtenmüßten. Graetz wies nun nachdrücklich darauf hin, daß geradein den historischen Relationen meist eine heillose Verwüstungdes Textes eingerissen sei, welcher repariert werden müsse.Ebenso liege zuweilen bald eine pragmatische, bald eine tenden-ziöse Ausgestaltung der geschichtlichen Überlieferung vor,oder es haben legendäre Schichten um einen tatsächlichenKern sich abgelagert, der eben herauszuschälen sei; ganz abge-sehen davon, daß die plastische Ausdrucks weise der Rabbineneinem fremden Anschauungskreis entlehnt, durch moderneBegriffe ausgelöst werden müßte.
Um auch hiefür eine Probe beizubringen, so wird ineiner altrabbinischen Chronik Seder olam rabbah berichtet,daß von dem Krieg des Vespasian bis zum Kriege des Titusch'L'ich 22 Jahre abliegen. Ist es schon unhistorisch und unbe-rechtigt, zwischen einem Krieg des Vespasian und einem solchendes Titus zu scheiden, so bleibt die Zeitangabe von 22 Jahrenschlechterdings unbegreiflich; dieselbe unverständliche Scheidungzwischen einem Krieg des Vespasian und des Titus wiederholt