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keinen höheren Pragmatismus aneinander geknüpft, nur nachäußerlichen, oberflächlichen Gesichtspunkten klassifiziert werden.Die Reflexion ist nüchtern und dringt nicht in die Tiefe, derStil trocken, umständlich und eintönig, ohne Feuer und Kraft.Bon einer lebendigen Vergegenwärtigung der Vergangenheitist nichts zu spüren. Voller Verehrung für das Römertum,von christlichen Anschauungen durchsetzt, ist er unbewußt inder innerlichen Scheu befangen, nicht auf der Höhe des Zeit-bewußtseins zu stehen und fürchtet, des Mangels an Objekti-vität geziehen zu werden, wenn er dem Judentum und demRabbinismus vollauf gerecht werden soll; daraus fließt seineVerkennung der Pharisäer und ihrer Nachfolger, der Rabbinen,wie seine schiefe, fast karikaturenhafte Behandlung des Talmudund des dazu gehörigen Schrifttums. Er fühlte, daß schon diebloße historische Betrachtung des Judentums zu dessen Glori-fizierung wurde, aber er wollte um keinen Preis als Apologetdesselben gelten?) Von derartigen Bedenken und Rücksichtenwar Graetz durchaus frei, irgendwelche Furcht oder Scheuhat zur Bildung seines Urteils und seiner Anschauung nie-mals mitgewirkt, und hat ihn ebenso wenig gehindert, unbe-kümmert ob er bei Freund oder Feind damit anstößt, sich inseinem vollen Empfinden auszusprechen. Er war der erstemoderne Schriftsteller, der bei der Würdigung der jüdischenVergangenheit mit dem Standpunkt der christlichen Anschau-ung ganz und gar gebrochen hat, er hat es zuerst versucht,die Entwickelung des Judentums, wie es ja bei jeder anderenErscheinung geschieht, aus sich selbst heraus zu begreifen undvon diesem Gesichtspunkt aus, ohne Schönfärberei zu treiben,Licht und Schatten gleichmäßig darzulegen. Es war erst kurzeZeit, daß Graetz in Berlin sich aufhielt, als er im Hause vonMichael Sachs mit Zunz zusammentraf. Der Hausherrstellte die beiden Männer, die sich persönlich noch nicht kannten,einander vor und bemerkte zum Lobe von Graetz, daß derselbeeben im Begriff sei, eine jüdische Geschichte zu-v^vössent-lichen. „Wieder eine Geschichte der Juden2" fragte Zunz
i) In seinem letzten Geschichtswert „Geschichte des Judentums undseiner Sekten" (3 Bände, 1857 bis 1859) hat Jost seinen alten Ton nicht bei-behaltcn, sondern sich mehr aus den von Graetz eingenommenen Standpunktgestellt.