Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

hatte, leicht einen Verleger zu finden. Es lag auch der Gedankenicht fern, daß er zur Ausführung seines Planes, der auf eineGesamtgeschichte der Juden gerichtet, bereits seinem Geistedeutlich vorschwebte, einer an Bibliotheken reichen Stadt,wie Berlin, füglich gar nicht entbehren könne. In der zweitenHälfte des September 1852 traf er in Berlin ein, woselbstihm vr. Michael Sachs und andere Freunde wohlwollendund dienstwillig zur Seite traten. Sachs vermittelte ihm dieBekanntschaft des vortrefflichen Or. Veit, der den Verlagseines Buches übernahm.

Im Winterhalbjahr 1852/53 hielt er, vom BerlinerGemeindevorstand aufgefordert, neben Zunz und Sachsgeschichtliche Vorlesungen für Kandidaten der jüdischen Theo-logie, die beifällig ausgenommen wurden. Als er um dieMitte des Februar eine dieser Vorlesungen beendet hatte,trat der mit Recht eines großen Ansehens sich erfreuendeEisenbahndirektor und Redakteur einer angesehenen Zeit-schrift, desMagazin für die Literatur des Auslands", JosephLehmann aus Glogau, an ihn heran und fragte im Aufträgedes Kuratoriums der Fränkelschen Stiftungen zu Breslauan, ob er eventuell in das Lehrerkollegium des in Breslauzu schaffenden Rabbinerseminars einzutreten gewillt sei,man unterhandle mit dem Oberrabbiner vr. Frankel in Dresdenwegen Übernahme der Direktion, derselbe habe unter anderenBedingungen auch die Anstellung von Graetz als Lehrergefordert, auf welche das Kuratorium mit Freuden eingeheund seine Erklärung wünsche. Graetz machte seine Zusagevon der definitiven Entschließung Frankels abhängig, dieletztere erfolgte bald hernach und die schwierigen Konferenzenüber die Gestaltung des Seminars nahmen ihren Anfang.

Die Schwierigkeit bestand zunächst darin, daß gar keinMuster und Schema vorlag, an das man sich bei der Einrichtungeiner rabbinischen Lehranstalt in Auswahl des Lehrplans,der Pensen und Wissenszweige anlehnen konnte, daß es sichum eine Neuschöpfung handelte, für welche es an jeder Erfah-rung fehlte, und welche sofort durch praktische Ausgestaltungunter den überaus eigentümlichen Verhältnissen die Bürg-schaft des Erfolges in sich tragen sollte. Überdies hatte derStifter, Kommerzienrat Jonas Fränckel, bei seiner Testierungeinige Bestimmungen getroffen, deren Realisierung unter