Allein es bot ihm doch immerhin die Möglichkeit eine häuslicheExistenz zu begründen und bis zu einem gewissen Grade seineIndividualität frei zu entfalten.
Ehe er iu das Amt trat, eilte er in die alte Heimat zurück,um die treue, der Vereinigung mit ihm geduldig entgegen-harrende Braut, welche von fehlgeschlagenen Erwartungennicht entmutig-, den Glauben an ihn niemals verloren hatte,Anfangs Oktober 1850 unter den Trauhimmel zu führen?)Er hätte keinen besseren und tapfereren Kameraden findenkönnen, als die Gattin, die ihm nach seinem neuen Heim folgte.Sie hat ihm durch ihr harmonisches, maßvolles und liebreichesWesen nicht nur das Haus geschmückt und die umwölkten Tageaufgeheitert, soudern auch das Ungestüm seines Tempe-rament gemäßigt und die Neigung seines Wortes zu scharfen,kaustischen, herausfordernd klingenden Akzenten abgemildert.Sie verstand sich auf die Bedürfnisse seiner Seele, in der eszuweilen wie ein Klang unbestimmter und ungestillter Sehn-sucht hindurchzitterte Es lag eben in seiner Persönlichkeitmanches Inkommensurable, das sich nicht erklären ließ. Erwar Dritten gegenüber ein bei aller Mitteilsamkeit verschlossenerCharakter, der die geheimen Regungen seines Gemütes tiefin sich verbarg, so daß er stets äußerlich durchaus ruhig undgemessen erschien und niemand ahnte, welche Gedanken undErregungen in seinem Inneren unter der ruhigen Oberflächeoftmals stürmisch durcheinanderwogten. Trotzdem bedurfteer, um sein äußeres Gleichgewicht stets zu behaupten, einerAussprache, in welcher die leicht erregbare, innerlich starkreagierende Stimmung seines schnell unter hohen Spannungs-druck gesetzten Gemütes sich zu entladen und zu läutern pflegte.Solchem Zwecke mögen wohl die Blätter seines Tagebuchsgedient haben, da sie zumeist unter dem Druck eines hoch-gespannten Affektes geschrieben sind. Mit dem Tage seinerVerheiratung beginnen diese Aufzeichnungen immer spär-licher zu fließen, bis sie schließlich ganz versiegen. Hatte erdoch in seiner Lebensgefährtin die sympathische Seele ge-
Die Trauung iu Krotoschin vollzog Hirsch Fasse!, Rabbiner vonPlößnitz in Mähren, mindestens hielt er dabei die Trauungsrede. Er weiltedamals in Breslau, woselbst man mit ihm wegen einer Anstellung als Rabbinerneben Geiger verhandelte. Doch führten die Verhandlungen zu keinemResultat.