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nach Nikolsburg zu machen, um dort seinen früheren LehrerSamson Raphael Hirsch, aufzusuchen, der indessen das Land-rabbinat von Emden mit dem in Nikolsburg vertauscht hatte.Graetz war auch nach seinem Abgang von Oldenburg mit demLandrabbiner stets in brieflichem Verkehr und freundschaft-licher Beziehung geblieben; obgleich er den starr traditionellenStandpunkt von Hirsch nicht teilte und seiner theologischenBedeutung nicht mehr wie vormals mit enthusiastisch einGemüt, sondern mit kritischer, nüchterner Beurteilung gegen-überstand, so war doch die Neigung und Verehrung für denehemaligen Lehrer in ihm nicht etwa verdampft, er wolltenach langen Jahren ihn wieder sehen und sprechen. Hirsch,der ebenfalls eine entschiedene Sympathie für seinen früherenSchüler hegte, trug Bedenken, ihn nach dem dermals so heißenBoden Wiens ziehen zu lassen, und Graetz, der wenig Lust undBeruf zu politischer Berichterstattung in sich spürte, ließ sichgerne zum Bleiben bereden und nahm vorläufig mit eineruntergeordneten Stellung an der Nikolsburger Religions-schule vorlieb. Im Hintergrund stand freilich die Anwartschaftauf einen Lehrerposten an einem von Hirsch projektiertenRabbinerseminar, dessen Schöpfung diesen ganz ernstlich be-schäftigte. Hirsch hatte sich lange mit dem Gedanken getragen,— der übrigens den hervorragenden Rabbinen jener Epoche,in dem Wunsch, eine theologische Schule ihrer Richtung zubilden, fast durchwegs als Ziel vorschwebte, und als brennendeFrage auf der Tagesordnung stand, — eine jüdisch-theologischeBi dungsanstalt ins Leben zu rufen. Es nahm den Anschein,daß dieser Plan in Nikolsburg, wo von jeher eine vielbesuchteTalmudschule blühte, sich um so leichter würde verwirklichenlassen, als mau eben an eine schon vorhandene Institutionnur anzuknüpfen, dieselbe umzugestalten und ihr neuen Geisteinzuflößen brauchte. Graetz wurde sogleich von seinem Gönnerveranlaßt, den im Talmud bewanderten und bisher nur dialek-tisch geschulten Jünglingen Vorlesungen über jüdische Ge-schichte zu halten. Es war natürlich, daß er zu seinen Vor-trägen für derartige Talmudschüler die Zeit der Mischnah unddes Talmuds wählte, eine Geschichtsperiode, mit der er sichschon beschäftigt hatte und der er jetzt für den vorliegendenZweck die sorgfältigsten Studien widmete.
Trotz allen Eifers, den er seinen Vorträgen und Studien
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