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Frankel stellte übrigens mit dem Ende 1846 die Heraus-gabe seiner Zeitschrift ein, um seine Kraft für künftige, bessereZeiten aufzusparen. Zu diesem dritten und letzten Jahrgangseiner Zeitschrift hatte Graetz neben einzelnen Rezensionennoch einen seiner bedeutsamsten Aufsätze beigesteuert, welcherin mehreren Artikeln „Die Konstruktion der jüdischen Geschichte"behandelt. Frisch und lebhaft im Ausdruck, reich au schönenGedanken, die selbst von Homileten mannigfach ausgemünztwurden, zeichnet die Abhandlung mit klaren und scharfenStrichen die Grundlinien und Gesichtspunkte, welche für eineGesamtdarstellung der jüdi chen Geschichte maßgebend seinsollen; indes ist der Verfasser noch allzusehr in der philoso-phischen Schulsprache und Denkweise seiner Zeit befangen,so daß er sich verleiten läßt, die Transzendenz Gottes aufKosten der monotheistischen Idee unverhältnismäßig in denVordergrund zu stellen.
So bedeutendes Ansehen Graetz durch seine gelehrtenArbeiten besonders in theologischen Kreisen sich erworbenhatte, er spähte vergebens überall nach einen: Punkte aus,an dem er die Wurzeln einer festen, wenn'auch nur beschei-denen Lebensstellung einschlagen konnte. Endlich schien sichder Horizont doch lichten zn wollen, es winkte ihm die Aus-sicht, den eigenen Herd begründen zu können, leider eine Fatamorgana. Die orthodoxe Partei in Breslau hatte nämlichEnde 1846 ihre Aktion wieder energisch ausgenommen, erkannteden Sohn des verstorbenen Salomo Tiktin, GedaljazTiktin,der an seine Vorfahren und Vorgänger geistig bei weitemnicht heranreichte, als ihren Rabbiner an und ging damit vor,eine Religionsschule in ihrem Sinne einzurichten; zu ihrerOrganisation und Leitung ward Graetz berufen?) Wohlwar die Breslauer Gemeinde aufgelöst, indem die orthodoxenElemente sich von dem Synagogenverband getrennt hatten,indessen gab es für die Separatisten kein rechtsgiltiges Binde-mittel, um sich als korporative Genossenschaft zusammen-
i) Dazu bedurfte es indes einer behördlichen Genehmigung, welche nurinfolge eines amtlichen Lehrerzeugnifses erteilt werden konnte. Daraufhinbesuchte Graetz als Hospitant eine Zeitlang das katholische Schullehrerseminarzu Breslau und erhielt am 4. November 1847 nach abgelegter Rektorats-prüfung ein Zeugnis, welches ihm die Fähigkeit zuspricht, an einer Elementar-schule zu unterrichten und eine solche als Rektor zu leiten. Es war das einzigeamtliche Prüfungszeugnis, das Graetz überhaupt aufzuweisen hatte.
Graetz, Biographie. 3