Partei um sich zu sammeln k Erst im folgenden Jahre 1846unternahm er einen Versuch in dieser Richtung, indem er andie konservativen Theologen moderner Gesinnung Einladungenzu einer Zusammenkunft in Dresden ergehen ließ, vielleichtum der reformatorischen dritten Rabbinerversammlung, welcheim Juli desselben Jahres zu Breslau zusammentreten sollte,ein wirksames Paroli bieten zu können. Aber selbst dieserVersuch ist von Frankel nicht mit der nötigen, sonst an ihmbemerkbaren Energie durchgeführt worden. Als Graetz imSeptember 1846 in Dresden eintraf, fand er zu seinem Er-staunen niemanden vor. Samson Raphael Hirsch, damalsLandrabbiner von Emden, hatte von vornherein abgelehnt,weil er den modernen Rabbinen die innere wie äußere Be-rechtigung zu Eingriffen in den religiösen Kult absprach.Rapoport in Prag hatte aus unbekannten Gründen abgesagt,ihm lagen eben nur wissenschaftliche Interessen am Herzen.Michael Sachs in Berlin war durch amtliche Abhaltungenentschuldigt. Den meisten anderen war die Zeit und der Ortzur Zusammenkunft nicht gelegen gewählt. Frankel wiederumwar ein vornehmer Geist, dem es widerstrebte oder nicht ge-geben war, die Werbetrommel kräftig zu rühren, durch Agitationoder Reklame Stimmung zu machen und eine Partei an sichzu locken oder gar zu fanatisieren; nur der Gerechtigkeit seiuerSache wollte er vertrauen, er verschmähte die kleinen Mittelund Kunstgriffe, um ausschließlich die Macht der Überzeugungwirken zu lasseu. Es mußte naturgeinäß einen tiefen Ein-druck auf ihn Hervorbringen, als er währnahm, wie Graetzder einzige war, der seinem Ruf so unbedingte Folge leistete.Beide Männer, so verschieden an Alter, Natur und Anlage,doch eins in ihren Anschauungen und Zielen, waren nun durchdie persönliche Berührung einander näher getreten, und sieschlossen, wenn auch unausgesprochen, eine für das Lebenvorhaltende Waffenbrüderschaft.
Graetz war jedenfalls entschlossen, von nun an bei allerWahrung seiner Selbständigkeit seine theologische Stellung an derSeite von Frankel zu nehmen; hatte er doch erkannt, daß erin seinen religiösen Überzeugungen gerade diesem sich am meistennähere. Der letztere hatte dasselbe seinerseits dadurch anerkannt,daß er Graetz auf seinen Wunsch die formelle Autorisation zurAusübung rabbinischer Funktionen erteilte.