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hatte kurz vorher erklärt, sich diesem „Kappores"-Brauchschlechterdings nicht fügen zu wollen, man nahm indes seineÄußerung für eitel Ruhmredigkeit. Als jedoch die Abendstundeherankam und man lange vergebens mit dem komisch feierlichenAkt auf das Erscheinen des ältesten Sohnes gewartet hatte,zürnte der Vater und drohte, er werde seinem ketzerischen Kindealle Bücher, die nicht hebräisch wären, verbrennen; die Mutteraber machte sich auf, um den verirrten Sohn überall zu suchen;sie fand ihn schließlich, liebevoll folgte er ihr nach Hause, dochzu irgend welcher Manipulation mit dem Hahn war er durch-aus nicht zu bewegen, so daß derselbe ohne Schwung und ohneVerwünschung zum Schlächter wandern mußte, und erst amfolgenden Tage eine rührende Versöhnung mit den Elternstattfand. Nach dem Feste wurde Graetz von einem befreun-deten Buchhändler aus Wollstein, der ihm gewöhnlich die neuenErscheinungen des jüdischen Büchermarktes znsandte, mit den„Neunzehn Briefen des Ben Usiel" beschenkt, deren Besitz ergewünscht hatte. Die Schrift elektrisierte ihn aufs neue undgab ihm den Gedanken ein, sich dem Verfasser, der ihm in-zwischen bekannt geworden war, als Schüler anzubieten.
Samson Raphael Hirsch erschien ihm nämlichals das Ideal eines jüdischen Theologen der Gegenwart undals der vertrauenswürdige Lehrer, nach dem er sich gesehnt,um von ihm irgendwelche Anleitung oder gar Aufschluß überdie mannigfachen, seinen Geist beschäftigenden Fragen zu er-halten. In diesem Sinne schrieb Graetz an den Landrabbinerzu Oldenburg, wobei er aus seiner Gesinnung kein Hehl machte,sondern klar und aufrichtig seine Gemütslage und seinenBildungsgang darlegte. Dieser Schritt hatte Erfolg.
Am 1. Februar 1837 erfolgte die förmliche Einladung vonHirsch, nach Oldenburg zu kommen, Kost und Wohnung bieteer ihm in seinem eigenen Hause an, für die weiteren Bedürfnissemüßten die Eltern sorgen, nach dem Passahfeste (im Mai) er-warte er sein Eintreffen. Schon anfangs April trat Graetz dieReise an, weil er unterwegs Verwandte besuchen, auch inBerlin und Leipzig sich einige Zeit umsehen wollte.
In Berlin macht das Museum und die Gemäldegallerieeinen tiefen Eindruck auf ihn. Dort lernt er den PredigerSalomon Pleßner kennen, von dem er, ein merkwürdigscharfer Beobachter, folgende zutreffende Charakteristik sich