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stolz und unbeugsam wie er war, zu Bitten oder Stillschweigensich nicht verstehen mochte, machte er trotzig kehrt und gingdesselben Weges und in derselben Weise, wie er gekommen war,kleinlaut wieder zurück gen Zerkow in das väterliche Haus, woseine Eltern nicht wenig über seine Heimkehr erstaunt, aberdoch zugleich erfreut waren, ihren Sohn wieder einige Zeitbei sich sehen zu können.
Das kleine Abenteuer darf als charakteristisch für daswunderliche Mißgeschick gelten, von dem Graetz im praktischenLeben, zumal am Anfang seiner Laufbahn oft empfindlichgenug betroffen wurde, ohne daß er jedoch dadurch an seinemStern je irre wurde. Seine initiative und temperamentvolleNatur verstand es wohl, mit schnellem Scharfblick die leitendenGesichtspunkte und richtigen Ziele herauszufinden, aber eswill oft scheinen, als wenn sein Geist zu weitsichtig und un-gestüm gewesen, um die kleinen Mittel und Hebel zur Erreichungseiner Absichten stets gebührend zu würdigen. Vorläufig suchteer Vergessenheit für die verunglückte Reise in seinen Studien.Er vertiefte sich jetzt in das Lateinische, las den Livius, Cicero'scke natura ckeorum, welches Buch ihm gewaltig imponierte,Virgils Äneide und Terenz' Komödien, beschäftigte sich vielmit Schrökhs Nniversalhistorie und mit seinem Wieland, dessen„Sympathien", „goldener Spiegel" u. a. ihn „ungemein er-götzten, erheiterten und beseligten"; nicht minder eifrige Sorg-falt widmete er dem Talmud, wie dem Hebräischen und warbesonders emsig über die Exegese der „ersten Propheten" her.Sein unruhiges Gemüt, einerseits durch die Ratlosigkeit imHinblick auf die Zukunft herabgestimmt und anderseits durchdie kleinstädtische und enggeistige Umgebung zum Spott heraus-gefordert, entlud sich in allerlei übermütigen Streichen, wiesolche im genialen Drang junger Jahre durchzubrechen pflegen.Er verspottete den Rabbiner, hänselte den Vorstand, bereitetedem Bürgermeister Verdruß, wußte aber stets heil davon zukommen und erschreckte sogar die Eltern durch Anwandlungreligiösen Freimuts. In den östlichen Gegenden ist es nämlicham Abend vor dem Rüsttag des Versöhnungstages Brauch,daß ein Alaun einen lebendigen Hahn und eine Frau eine leben-dige Henne mehrere Male sich um das Haupt schwingt undin einem kurzen Gebet die Strafe für die Sündenschuld möglichstauf den unglücklichen Vogel zu übertragen wünscht. Graetz