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mißglückte die Behändigung des Bescheides an die Urheber,derselbe verfehlte die eigentliche Adresse und fiel in die Händedes Vorstandes und der sogenannten Vizerabbiner, B'nejeschibah. „Sie versammelten sogleich alle sogenannten Ge-lehrten und talmudischen Studenten nach Art der ehemaligenSanhedrin, zogen sämtliche Eltern und Schwiegereltern undVerwandte derjenigen Personen herbei, von denen eine andereDenkungsart zu präsumiereu war, danu forderten sie einenjeden von uns im einzelnen vor, schlossen ihn in einen fürchter-lichen Zirkel der rohen Studenten ein, und schrieen ihn unterBegleitung der schrecklichsten Flüche wie folgend an: Duteuflische Seele! die du dich dem Satan anvertraut hast. DeiueGestalt zeuget auf deiue Abneigung gegen unsere Gebote;dein barbierter Bart, deine Tracht (deine jüdische Trachtträgst du uur zum Schein), alles beweiset, daß du Gottloser!ein Verräter der jüdischen Geheimnisse bei Christen bist. Duliesest die deutschen Bücher; du hast auf deiner BodenkammerLandkarten versteckt, Zeitungen und andere christliche Schriftenstatt heiliger Talmudbücher, bekenne also deine Sünden, daßdu Mit-Konzipient der verdammten Vorstellung warst! Be-folge die Buße, die wir dir auferlegen werden, liefere uns deineunreinen Bücher sogleich aus; unterzeichne dich sofort aufdieser heiligen Rabbinerwahl oder sonst usw." H Die heißumstrittene Wahl jenes streng talmudischen, dabei mildenRabbiners wurde zwar durchgesetzt, aber der neue Geist wartrotz aller Anstrengungen nicht mehr einzudämmen, drangzwar langsam, aber stetig vor, bis es 1816 glückte, eine höherejüdische Privatschule in Posen zustande zu bringen. Wohl-habende und unabhängige Väter fanden vereinzelt den Mut,ihre Kinder den Gymnasien oder höheren christlichen Schulenzuzuführen, deren es übrigens damals in der Provinz nursehr wenige gab. 1824 griff die Regierung ein und verordnet^,daß in allen existenzfähigen Judengemeinden deutsche Elemen-tarschulen eingerichtet werden.
Die Verhältnisse gestalteten sich nun eigentümlich dahin,daß man allgemeine Bildung, die Kenntnis deutscher, fran-zösischer und englischer Klassiker als einen Vorzug und Schmuck
i) Was hier unter Anführungszeichen gegeben wird, ist der Original-eingabc wörtlich entnommen. Geheimes Staatsarchiv Berlin, General-Direktorium Südpreußen, Ortschaften Nr. 964, Vol. II.