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12 (1851) Der Wildtöter : eine Erzählung
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Ich habe meine Bibel hier, Judith!" erwiederte ihre Schwestermit triumphirender Stimme.Es ist wahr, ich kann nicht mehrlesen; es ist Etwas vor meinen Augen; Du erscheinst mir fernund dämmernd und so auch Hurry, wenn ich ihn jetzt anblicke; ei, ich hätte nie geglaubt, daß Henry March so matt und grauaussehen könnte! Was mag der Grund seyn, Judith, daß ichheute so schlecht sehe? ich, von der Mutter immer sagte, ich hättedie besten Augen in der ganzen Familie? Ja, das war es, meinGeist war schwach was die Leute halbklug nennen abermeine Augen waren so gut."

Judith stöhnte wieder; dießmal war es kein auf sie selbstBezug habendes Gefühl, kein Rückblick in die Vergangenheit, wassie schmerzlich ergriff. Es war der reine, herzinnige Jammerschwesterlicher Liebe, erhöht durch das Gefühl von der sanftenDemuth und vollkommnen Wahrhaftigkeit des Wesens, das vorihr lag. In diesem Augenblick hätte sie gern ihr eignes Lebenhingegeben, um das Hetty's zu retten. Da aber dieß außer demBereich menschlicher Macht lag, fühlte sie, daß ihr Nichts übrigbleibe, als Trauer und Kummer. In diesem Augenblick kamWarley wieder in die Cajüte zurück, gezogen von einem geheimenAntrieb, dem er nicht widerstehen konnte, obgleich es ihm ebenjetzt zu Muthe war, als würde er gern den amerikanischen Con-tinent für immer verlassen, wenn es thunlich wäre. Statt ander Thüre stehen zu bleiben, trat er jetzt so nahe an das Lagerder Leidenden, daß er ihr deutlicher sichtbar wurde. Hetty konntenoch größere Gegenstände unterscheiden, und ihr Blick heftete sichbald auf ihn.

Seyd Ihr der Officier, der mit Hurry kam?" fragte sie.Wenn Ihr cs seyd, so sind wir Euch alle Dank schuldig; dennwenn auch ich verwundet bin, ist doch das Leben der klebrigengerettet. Hat Euch Harry March gesagt, wo wir zu finden undwie bedürftig wir Eurer Hülfe seyen?"