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12 (1851) Der Wildtöter : eine Erzählung
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ungewöhnliches Bewußtsein dieses Umstands. Wenn das erste schlimmist, so bessert das zweite die Sache in keiner Weise, was Wohl-fahrt und Seelenfrieden betrifft."

Wie lange der junge Mann in seiner einfachen und arglosen,aber wohlgemeinten Weise »och fortgefahren haben würde, istschwer zu sagen, wäre er nicht dadurch unterbrochen worden, daßfeine Zuhörerin in Thränen ausbrach, und sich einer Gefühlsauf-wallung hingab, die mir um so gewaltsamer war, mit je größererAnstrengung sie sie bisher unterdrückt hatte. Zuerst war ihrSchluchzen so heftig und unbändig, daß Wildtödter nicht wenigerschrack, und voll Reue ward von dem Augenblick an, wo er be-merkte, wie viel größer die Wirkung seiner Worte war, als ererwartet hatte. Selbst strenge und in ihren Anmuthungen weit-gehende Menschen werden gewöhnlich begütigt und befriedigt durchdie Zeichen der Zerknirschung, aber Wildtödter's Gemnth bedurftegar keiner so starken Beweise von Rührung, um zum lebhaftenMitgefühl der Betrübniß des Mädchens gestimmt zu werden. Erstand auf, als hätte ihn eine Natter gestochen, und die Töne derMutter, die ihr Kind tröstet, sind kaum sanfter und begütigenderals seine Stimme und seine Worte waren, wie er jetzt seine Nenedarüber aussprach, so weit gegangen zu sehn.

Es war gut gemeint, Judith," sagte er,aber es warnicht die Absicht, Euch so sehr wehe zu thun. Ich habe es mitmeinem Rath übertrieben, wie ich sehe; ja, ich habe es über-trieben, und ich bitte Euch deshalb driugeud um Verzeihung.Freundschaft ist ein entsetzliches Ding! Manchmal schilt sie uns,daß wir nicht Genug gethan haben; und dann wieder macht sieuns Vorwürfe, daß wir zu Viel gethan. Wie dem sey, ich ge-stehe, daß ich zu weit gegangen bin, und da ich eine wirkliche undlebhafte Achtung für Euch habe, erkläre ich dies mit Freuden,insofern es beweist, wie viel besser Ihr feyd, als Euch meineEitelkeit und Einbildung dafür hielt."