Scharlachröcke würden nicht als Entschuldigungen für Niederträch-tigkeit und Betrug gelten."
Das Mädchen sprach mit heftigem, sogar krampfhaftem Ge-fühl, und ihre schönen Auge», gewöhnlich so sanft und anlockend,sprühten Feuer, als sie schloß. Wilvtödter konnte nicht anders alsdiese außerordentliche Gemüthöbewegnug bemerken; aber mit demTakt eines Hofmanns vermied er nicht blos jede Anspielung darauf,sondern es gelang ihm auch, tu seinem Benehmen den Eindruck,den jene Wahrnehmung auf ihn machte, zu verhehlen. Allmäligwurde Judith wieder ruhig; und da sie sich unverkennbar Mühegab, sich dem Auge des jungen Mannes vortheilhaft darzustellen,war sie bald tm Stande, das Gespräch mit solcher Fassung wiederaufzunehmen, als wenn nichts Störendes dazwischen gekommen wäre.
„Ich habe kein Recht, in Eure Geheimnisse, oder in die EuresFreundes einzudringen, Wildtödter,' fuhr sie fort, „und bin bereit,Alles was Ihr sagt, aufs Wort anzunehmen. Wenn es uns wirk-lich gelingt, in diesem gefährlichen Augenblicke noch einen Mannzum Genossen zu gewinnen, so wird uns das Viel nützen; und ichbin nicht ohne Hoffnung, daß die Wilden, wenn sie uns im Standesehen, den See zu behaupten, uns die Rückgabe der Gefangnenanbieten werden gegen Häute, oder wenigstens gegen das FüßchenPulver, das wir tm Hause haben."
Der junge Mann hatte die Worte: ,Skalpe' und ,Preisgeld'auf der Zunge; aber ein Gefühl, das sich sträubte, die Töchter ingrößere Unruhe zu versetzen, hielt ihn zurück, die beabsichtigte Hin-deutung auf das wahrscheinliche Schicksal ihres Vaters auszuspre-chen. Dennoch, so wenig war er erfahren in den Künsten der Täu-schung, ward seine ausdrucksvolle Miene auch ohne Worte von derscharfblickenden Judith erratheu, deren Verstand durch die Ge-wöhnungen und Gefahren ihrer Lebensweise noch geübt und ge-schärft worden war.
„Ich verstehe, was Ihr meint," fuhr sie hastig fort, „und