398
Diese Engländer werden Dich nicht unter ihren Schlachtopfern auf-zählen und ihre Augen an Deinen reizenden Verhältnissen Waiden!"
Ghita fuhr es eiskalt durchs Herz. Sie sank auf ihren Sitzzurück und bewachte die Züge ihres Geliebten fortwährend mit einemGefühle der Verzweiflung, obwohl unauslöschliche Zärtlichkeit nochimmer ihre Seele erfüllte.
Naoul hörte diese Bewegung; das Haupt nach dem Mädchenhinwcndend schaute er ihr eine volle Minute mit einem Theile jenerinnigen Bewunderung in'S Antlitz, welche in glücklicheren Augenblickenso oft aus seinen Augen geleuchtet hatte.
„Es ist besser so wie cs ist, Ghita," sprach er, „besser, alswenn ich ohne dich leben sollte. Das Schicksal hat sich gütig ge-zeigt, indem es mein Elend auf diese Art endete."
„O Raoul! nicht das Schicksal, sondern nur Gottes heiligerWille ist'S, der über uns waltet. Täusche Dich nicht selbst in diesem,furchtbaren Augenblick, sondern beuge Deinen stolzen Geist in De-muth und wende Dich zu Ihm um Seine Hülfe!"
„Arme Ghita! —Nun, Du bist nicht die einzige unschuldvolleSeele unter all' den Millionen, welche von den Priestern in'SGarn gelockt wurde und ich denke, was mit dem Anfänge begonnenhat, wird auch bis zum Ende ausdauern."
„Anfang und Ende — beides ist Gott, Raoul. Seit demBeginne der Welt hat Er Gesetze verordnet, welche die PrüfungenDeines Lebens — ja sogar alle Trauer dieser Stunde herbeige-führt haben."
„Und glaubst Du, Er werde Dir alle die Mühe verzeihen, dieDu Dir um einen Unwürdigen, wie mich, gegeben hast?"
Ghita beugte ihr Haupt auf die Matratze, über welcher sielehnte und begrub das Antlitz in ihre Hände. Eine Minute langlag sic so in Gebet versunken, dann erhob sie wieder ihr Hauptund die Röthe der Unschuld, wie des Gefühls leuchtete in ihren Zügen.
Raoul lag wieder auf dem Rücken und hatte die Augen aus