Druckschrift 
14 (1843) Der Irrwisch oder der Kaper : ein See-Roman
Entstehung
Seite
538
Einzelbild herunterladen
 

338

würde, ihren Lngg er noch vor dem Eintritte der gewöhnlichen Nach-mittagsbrise siott zu machen und in segelfertigen Zustand zu setzen.So wurde also den Leuten Befehl gegeben, bis die Felulke heran-gekommen wäre, das Frühstück einzunehmen, damit das einmalbegonnene Werk keine Unterbrechung mehr zu leiden hätte.

Diese Pause gab Raoul Gelegenheit, sich nmzusehcn und reif-lich nachzudenken. Zwanzig Mal kehrte er die ängstlichen Blickenach den Höhen von St. Agata, an welche Sehnsucht und Besorgnißihn fortwährend fesselten: erster? galt Ghita, wie wir wohl kaum zusagen nöthig haben; letztere dagegen entsprang aus dem Gedanken,eS möchte ein neugieriger Zuschauer den Lugger erkennen und seinenZustand an die Feinde verrathen, welche man vor Capri, kaum einpaar Meilen auf der andern Seite der Höhen vor Anker wußte.

Doch Alles schien um diese frühe Stunde noch in Ruhe ver-sunken und da der Lugger, wenn er die Segel nicht entfaltet hatte,ziemlich unbedeutend aussah, so war aller Grund zu der Hoffnungvorhanden, daß der Unfall bis jetzt noch unbemerkt geblieben sey.Die Annäherung der Felnkke mußte sie freilich so ziemlich verrathen:doch hatte Raoul wenigstens die Vorsicht gebraucht und Jthnel denBefehl gegeben, daß keine Zeichen ihres Nationalcharakters verrathenwerden dürften.

Jetzt, in der Stunde der Muße und Unthätigkcit, war Raoul Vvardein ganz anderer Mann, als er noch wenige Stunden früher gewesenwar. Damals betrat er das Verdeck seines kleinen Kreuzers soziemlich mit dem Gefühle eines Mannes, der sich voll Triumphsseiner Jugend und Stärke bewußt ist; jetzt aber war ihm ungefährzu Muthe, wie Einem, der sich durch Unglück und Krankheitherabgestimmt fühlt. Dessenungeachtet hatte sein Charakter nichtsvon seinem hohen, ritterlichen Sinne verloren und selbst jetzt, daer auf dem Hackbord seines g»stranbeten JrrwischeS saß, entwarf erPläne, wie er, falls es ihm nicht gelänge, seinen Lugger wieder