462
unmöglich war, so wurde der Schildwache durch den Korporal derBefehl zugeschickt, daß Jeder, den der Gefangen- zu empfangenwünsche, in seinem Zimmer zugclaffen werden solle. Auch die ver-schiedenen Parthien erhielten die Weisung, daß sie den Verurtheiltenbesuchen dürsten, wofern Letzterer sie zu empfangen aufgelegt wäre.
Mittlerweile hatte bei der gesammten Schiffsmannschaft einehöchst düstere Stimmung Platz gegriffen. Der wirkliche Stand derDinge war Allen am Bord bekannt und nur wenige hielten es fürmöglich, daß Clinch den Foudroyant erreichen, seine Befehle em-pfangen und noch zeitig genug zurück sehn könne, um die Erekutionzu verhindern. Es war nur noch drei Stunden bis zu Sonnenun-tergang, und statt zu schleichen, schienen die Minuten eher zu stiegen.
Der menschliche Geist ist einmal so beschaffen, daß Ungewißheitseine meisten Regungen steigert — selbst die Furcht vor dem Todeerzeugt oft eine heftigere Erschütterung als die wirkliche Annähe-rung desselben. — So erging es den Offizieren und der Mannschaftder Proserpina. Wäre keine Möglichkeit, die Erekution zu vermei-den, vorhanden gewesen, so würden sie sich gefaßt und einem unaus-weichlichen Uebel ruhig unterworfen haben; aber die schwache Hoff-nung, die sich noch zeigte, erzeugte eine steberische Anfregung, diesich bald und in einem Maaße über Alle verbreitete, wie wenn einfeindliches Schiff vor ihren Augen stünde, das Jeder zuerst hättekapern sollen.
Minute auf Minute stog vorüber und dieses Gefühl wurde all-mählig so heftig, daß wir die Gränzen der Wahrheit Wohl kaumüberschreiten werden, wenn wir behaupten, Seiner brittischen MajestätSchiff*Proserpina habe unter allen Wechselfällen des Kriegs nieeine so steberische Stunde verlebt, als eben in jener Periode unsererErzählung. Hundert Augen waren fortwährend auf die Sonne ge-richtet und mehrere der jungen Herrn versammelten sich auf demVorkastell in der einzigen Absicht, der Landspitze so nahe als mög«