Wartung des furchtbaren Augenblicks, wo er zur Exekution abge-rufen werden sollte. Seine Verurtheilung war allgemein auf demSchiffe bekannt, doch nur Wenige nahmen Theil an seinem Schicksale,denn die Meisten waren in Folge des Kriegs mit derlei Strafen,mit dem Tod in Schlachten und den übrigen Zwischenfällen des See-lebens viel zu vertraut, als daß ein solcher Fall zumal auf einer imaktiven Dienste kreuzenden Fregatte irgend Aufsehen erregt hätte.
Nur einige Wenige dachten daran, dem Gefangenen feine Lagezu erleichtern. Winchester war ein menschenfreundlicher Mann undhegte — zu seiner Ehre sey es gesagt — durchaus keinen Groll wegenseiner eigenen Niederlage nnd Verwundung, während er in seinerEigenschaft als erster Lieutenant viel dazu beitragen konnte, demBerurtheilten eine behagliche Lage zu bereiten. Er hatte den Ge-fangenen zwischen zwei offenen Stückpforten untergebracht, wo dieLuft freien Durchzug fand — in einem so warmen Klima keineunbedeutende Rücksicht; überdieß hatte er eine Schotenwand ausSegeltuch rings um Raoul aufrichten lassen, so daß dieser die Wohl-that eines eigenen Zimmers genoß und in einem so fürchterlichenAugenblicke wenigstens mit seinen Gedanken allein blieb.
Ob es wahrscheinlich seyn möchte, daß der Gefangene einenSprung durch eine Stückpforte versuchte — darüber hatten dererste und zweite Lieutenant bereits Berathung mit einander gepflogen;doch die Schildwache wurde ermahnt, gegen einen solchen Versuchauf ihrer Hut zu sehn, und überdieß betrug sich Raoul so ruhig,daß man von seiner Seite nicht wohl einen übereilten Schritt be-fürchten durfte. Dann wäre es auch leicht gewesen, ihn wieder auf-zusangen, da das Schiff nur langsam weiter zog und — die Wahr-heit zu gestehen — Manche würden eS lieber gesehen haben, wenner ertrunken, als wenn er an dem Arme der Vorraa ausgehängtworden wäre.
In diesem engen Kerker brachte denn Raoul die Nacht undden folgenden Morgen zu. Wenn wir behaupten wollten, er sey