304
leises Gemurmel, als ihnen dieser Anblick vor Augen trat undmanches Haupt war zum Gebete nieder gebeugt.
Der Verurtheilte schöpfte aus dieser Aeußerung des Mitleideseinen Strahl des Trostes und schaute einen Augenblick lang miteiner Miene um sich, als ob jene weltlichen Gefühle wieder in ihmaufleben wollte», welche er seit der Stunde, da er von Ghita Ab-schied genommen und zugleich erfahren hatte, daß seine letzte Bitte —die festgesetzte Todesart zu ändern, abgeschlagen worden — mitaller Anstrengung in seinem Herzen zu vertilgen gestrebt hatte.
Es war ein furchtbarer Moment für einen Mann, der, wieDon Francesco Caraccioli reich und von hoher Geburt, für seineDienste geehrt und an Achtung und Unterwürfigkeit gewöhnt, mittenauf dem Schauplatze, der ihn jetzt umgab, so lange Jahre verlebthatte. Nie war ihm das prachtvolle Panorama jenes Golfes solieblich erschienen als in dem Augenblicke, da es ihm — und zwardurch einen gewaltsamen, schmachvollen Tod — für immer entrissenwerden sollte. Von den purpurnen Gebirgen und der tiesklarenHimmelsdecke über ihnen — von dem blauen Gewässer, über demer bereits zu schweben schien — von dem sonnigen Gestade, reichan Städten, Dörfern und Weingärten, wandte sich sein Auge nachder Welt von Schiffen, deren jedes von Massen lebendiger Wesenwimmelte. Ein kummervoller Blick des Vorwurfs fiel auf die kleineFlagge, welche eben von dem Besantop des Fvudroyant herüberwehte;dann glitt er auf den Teppich von Gesichtern zu seinen Füßen, derdie Oberfläche des Wasserspiegels in eine wogende Masse von Men-schcnköpsen zu verwandeln schien.
Plötzlich zeigte sein Blick Festigkeit, obwohl sich seine Seelenoch in Aufruhr befand. Er hatte Ghita an ihrem Begleiter, so-wie an der Kleidung erkannt. Bis an den Rand seines schmalenSchaffotteS vorschreitend, suchte er seine Arme nach ihr auszustreckenund ihr nochmals laut seinen Segen hinüber zu rufen. — Dasarme Mädchen sank mitten in dem Boote auf die Knie, neigte das