„Der Grund der Klage ist mir noch unbekannt; es ist abernicht unwahrscheinlich, daß das Ganze auf etwas der Art hinaus-läuft. Gerade in einem solchen Falle kann man sich keinen bessernVermittler wünschen, als ein Wesen, das über die Gebrechlichkeitennnd Schwächen seines eigenen Geschlechts so hoch erhaben ist."
Die Dame, welche nunmehr aus der inneren Kajüte trat, warzwar ausfallend hübsch, zeigte aber.Hennoch nichts in ihrer Erschei-nung , was die Lobsprüche in den letzten Worten des brittischenAdmirals gerechtfertigt hätte. Es la^ etwas Künstliches und Welt-liches in dem Ausorncke ihres Gesichtes, das nur um so mehr auf-fiel, wenn man es unmittelbar mit der edlen Natürlichkeit undstillen Reinheit verglich, welche sich auf Ghita'S Antlitz in jedemZuge aussprach. Die Eine hätte recht gut ein Bild der GöttinCirce vorstellen können, während die andre kein übles Modell füreine Vestalin abgegeben hätte, wenn eine Solche in ihrem Aeußernden moralischen Eindruck der erhabenen, herzergreifenden Wahr-heiten wiedergeben könnte, welche allein in den wahren OffenbarungenGottes liegen. Dann war die Dame eine Frau auf der Mittags-höhe ihrer Reize, denen die ganze Kunst der Toilette und ein eigen-thümlichcr, piquanter, wenn auch nicht reiner Geschmack zu Hülfekam; die Andere dagegen stand da in ihrem einfachen, schwarzenneapolitanischen Schnürleibchen, ohne einen anderen Kopfputz, alsden ihr die eigenen seidenen Flechten verliehen, und doch trat ihretadellose Figur und einnehmende Miene gerade in diesem Augenblickeweit deutlicher hervor, als es unter dem Einflüsse auch der geschick-testen Kleidermachcrin oder Putzkünstlerin hätte geschehen können.
Die Dame verrieth einige lleberraschung, vielleicht gar eine»Schatten von Unbehaglichkeit, als ihr erster Blick auf Ghita fiel;doch war fle eine viel zu gute Schauspielerin, um sich so leichtaußer Fassung bringen zu lassen; sic lächelte und hatte alsbald ihreSelbstbeherrschung wieder gewonnen.
„Ist dies das Wesen, das mit einer solchen Bitte zu Euch