Saiten ihrer Guitarre und spielten eine feierliche Weise; dann sangsie die süße Melodie des el.ve Maria mit einer Innigkeit des Ge-fühls, welche sogar ein Herz von Stein hätte ergreifen müssen.Als geborene Neapolitanerin besaß Ghita die ganze Vorliebe ihresVaterlandes für Musik und hatte sich auch jene Kunstfertigkeit er-worben, welche in diesem Theile der Welt unter dem ganzen VolkeVerbreitet scheint. Die Natur hatte ihr eine der rührendsten Frauen-stimmen verliehen— eine Stimme, welche stch weniger durch Stärke'als durch Süßigkeit und Wohlklang auszeichnete, was besondersbei religiösen Gesängen, wo ihr Ton in der Weihe des Gefühlesbebte, um so größere Wirkung hervorbrachte.
Während sie so ihre wohlbekannte Hymne sang, zog eine hei-lige Hoffnung durch ihre Seele, daß sie durch irgend ein Wun-der das Werkzeug werden konnte, Raoul zur Liebe und Vereh-rung Gottes zu bekehren und dieses freudige Gefühl sprach sichauch in der Weise aus, wie sie ihre Aufgabe löste. Noch niehatte sie so gut gesungen: dieß bewies sogar Jthuels Benehmen,denn dieser kam von seinem Krahnbalken nach dem Quarterdeck,und auch die beiden wachehabenden Matrosen vergaßen eine Zeitlang über dem Entzücken, mit dem sie zuhörten, die ihnen oblie-gende Pflicht.
„Wenn mich irgend Etwas zu einem gläubigen Christen be-kehren könnte, Ghita," flüsterte Raoul, als der letzte Ton auf denLippen seiner Geliebten erstorben war, „so müßte es Dein Gesangseyn! — Was gibt'S, Monsieur Etouell? Bist auch Du ein Lieb-haber heiliger Musik?"
„Das ist ein allerdings ungewöhnlicher Gesang, Kapitän Rufe— doch haben wir jetzt andere Geschäfte vor uns. Wenn Ihr Euchnach der andern Seite des Luggers verfügen wollt, so könnt Ihreinen Blick auf das Fahrzeug werfen, das während der letzten dreiStunden längs der Küste hingekrochen ist. ES hat etwas an sich,was nicht ganz richtig ist; eS scheint uns immer näher zu kommen.