Druckschrift 
14 (1843) Der Irrwisch oder der Kaper : ein See-Roman
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

ben würdest Du ihn nicht alsbald als einen unverschämten Meu-terer von Dir jagen? und dennoch verlangst Du, den Gott derWelten zu befragen und in seine Geheimnisse einzudringen?"

Raoul blieb stumm, während Jthuel, gleichfalls schweigend,vor sich hinstarrte. Es war eine solche Seltenheit, wenn Ghitadie ausnehmende Sanftheit ihres Wesens verlor, daß die Nöthe ihrerWangen, der strenge Ernst ihrer Blicke, das ungeduldige Bebenihrer Stimme und der Nachdruck, mit dem sie bei dieser Veranlassungsprach, in ihren Zuhörern eine Art scheuer Ehrfurcht hervorries,welche das Gespräch nicht weiter fortzusetzen erlaubte.

Das Mädchen selbst war dermaßen aufgeregt, daß man eineMinute später, während sie ihr Antlitz mit den Händen bedeckt hielt,die Hellen Thränen durch ihre Finger Hervorbrechen sah, worauf sieplötzlich aufstand und in die Kajüte hinab eilte. Navul besaßzu viel richtigen Takt, als daß er daran gedacht hätte, ihr zufolgen; mürrisch und in Gedanken verloren, blieb er sitzen, bisJthuel die Aufmerksamkeit des Andern auf seine eigene Person lenkte.

Mägdlein bleibt Mägdlein," bemerkte dieser feine, philoso-phische Beobachter des Menschengeschlechts,und nichts berührt ihrWesen tiefer, als so ein Bischen religiöse Aufregung. Ich darfwohl sagen, wenn diese Heiligenbilder, die Kardinale und Bischöfeund ähnliches Gelichter nicht wären die Italiener würden eineganz gute Klaffe von Christen abgeben."

Raoul war aber nicht zum Sprechen aufgelegt und da mittler-weile die Stunde gekommen war, wo man den Westwind erwartendurfte, so stand er auf, befahl den Zeltvorhang abzunehmen undsuchte sich selbst wieder mit dem Stande der äußeren Dinge bekanntzu machen.

Drüben lag die Fregatte und schien, wie Alles in der Nähe,Siesta zu halten die drei Marssegel aufrecht stehend. Alles wassonst noch von Segeln los war, in zierliche Gewinde gebundenund das Eintreten der Brise erwartend. Trotz dieses Anscheins von