Druckschrift 
14 (1843) Der Irrwisch oder der Kaper : ein See-Roman
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

Das mag Alles ganz wahr seyn, Signore," bemerkte derVicestatthalter,da es übrigens von einem Manne ausgeht, derin Diensten der Engländer steht und an einen Andern gerichtet ist,der sich einen Diener ihres Bundesgenossen, des Großherzogs vonToScana nennt, so erscheint es ebenso außerordentlich als unberu-fen und somit wollen wir lieber von andern Dingen reden. DieserLugger, an dessen Borde Ihr dient, ist ohne allen Zweifel einenglisches Fahrzeug, trotz dem, was Ihr uns über die Nation selbstgesagt habt."

Ja, er ist englisch," gab Jthuel mit grimmigem Lächeln zurAntwort,und ein hübsches Fahrzeug ist er dazu. Doch er kannja nichts dafür und was man nicht ändern kann, muß man ertra-gen. 's ist ein Segler ans Guernsey und ein verzweifelter Renner,wenn er einmal erwacht und seine Meilenstiefel anzieht!"

Diese Seeleute haben eine ganz eigene Sprache," bemerkteAndrea gegen Vito Viti mit einem Lächeln, das JthuelS seemän-nischen Manieren gelten sollte.Euch selbst wie mir würde derGedanke, daß ein Schiff Stiefel anziehe, lächerlich erscheinen, Nach-bar; die Matrosen aber tragen in ihrer Phantasie alle möglichenGegenstände auf ihre Schiffe über. Es ist wirklich merkwürdig,guter Vito, sie reden zu hören; ich habe, seitdem ich auf dieserInsel wohne, schon oft daran gedacht, eine Anzahl ihrer bildlichenAusdrücke zu sammeln, um denjenigen Zweig der Litteratur, dersich mit ihrem Berufe beschäftigt, verständlicher zu machen. DerGedanke, als ob ,der Lugger seine Stiefel anzöge* ist in derThat ganz heroisch!"

Nun war aber Vito Viti, obgleich ein Italiener und mit einemso musikalischen Namen begabt, gleichwohl nichts weniger als poe-tischer Natur, sondern ein Mann, der Alles so durchaus buchstäb-lich nahm, daß er wohl für den reinen Mann der Thatsache geltenkonnte. Demgemäß konnte er auch in dem Gedanke», daß einSchiff Stiefel trage, keine so gar besondere Schönheit entdecken.