sollt. Die Gesetze der Provinz befahlen, daß die Opfer der böse»Krankheit besonders gepflegt werden sollten und Ihre Mutter wurdemeiner Gnade anheimgegeben nnd der einer Dritten, von der sienoch weniger geliebt wurde, als von mir."
„Allgerechte Vorsehung! Ihr beginget doch keine Gewaltthat?"
„Die Krankheit ersparte uns ein solches Verbrechen. Sie starbin ihrer neuen Entstellung, während ich, wenn auch nicht mehr inder Schönheit meiner Unschuld, doch noch frei von der versengendenBerührung des Mangels und der Krankheit — ihrem Ende mitSchadenfreude zusah, und einen sündhaften, aber schmeichelndenTrost in diesem Anblicke zu finden glaubte. Eitel, schwach undthöricht, wie ich gewesen war, so hatte ich doch niemals meineeigene, frische Schönheit mit halb soviel innerer Freude betrachtet,als ich damals auf die Häßlichkeit meiner Nebenbuhlerin hinblickte.Und dann noch Ihre Tante —- sie war nicht ohne die Einflüste-rungen des Urhebers alles Bösen."
„Sprecht allein von meiner Mutter," fiel Lionel ungeduldigein: — „von meiner Tante weiß ich bereits Alles."
„Ungerührt und berechnend, wie sie war, wie wenig unterschiedsie das Gute vom Bösen! Sie verinaß sich sogar, die Bande desHerzens zu zerreißen, und durch ihre niederträchtigen Erfindungendas zu vollbringen, was Gottes Allmacht allein erschaffen konnte.Die sanfte Seele Deiner Mutter war kaum geschieden, als schonein schändliches Komplott ersonnen wurde, die Reinheit ihres Rufeszu zerstören. Verblendete Thoren, die wir waren! Sie gedachte,durch ihre besänftigenden Künste, von seinen verwundeten Gefühlenunterstützt, den Gatten zu den Füßen ihrer eigenen Tochter zuführen — der unschuldigen Mutter Derjenigen, die neben Dir steht— und ich war so eitel, zu yösskn, daß endlich die Gerechtigkeitund mein Knabe bei dem Vater und Verführer für mich sprechenund mich zu dem beneideten Stande Derjenigen, die ich haßte,emporheben würden."