Eimmddreißigstes Kapitel.
Sie eine Kapulct? O theurer Preis! mein LebenIst meinem Feind als Schuld dahingegeben!
Romeo lllebers. v. Schlegel).
»Ach! Lincoln! Lincoln!" rief die weinende Braut, währendsie sich sanft aus Lionels langer Umarmung loswand, in „welchemAugenblicke hast Du mich verlassen?"
„Und wie bin ich dafür bestraft worden, Du, meine Liebe!Eine Nacht des Wahnsinns und ein Morgen der Reue! Wie frühmußte ich die Stärke der Bande fühlen, die uns verknüpfen — wennnicht gar meine eigene Thorheit sie bereits für immer gelöst hat!"
„Bösewicht! Ich kenne Dich! und werde in Zukunft mitFrauenkunst ein Netz weben. Dich in meinen Banden zu fesseln!Wenn Du mich liebst, Lionel, wie ich so gerne glauben möchte,laß alles Vergangene vergessen seyn. Ich fordere — ich wünschekeine Erklärung. Du bist getäuscht worden, und dieses reuevolleAugd versichert mich Deiner wiederkehrenden Vernunft.' Laß unsjetzt allein von Dir sprechen. Warum finde ich Dich so bewacht,ähnlicher einem Verbrecher als einem Offizier der Krone?"
„Sie haben in der That ganz besondere Wachsamkeit aufmeine Sicherheit verwendet!"
„Wie kamst Du in ihre Gewalt? und warum mißbrauchen sieihren Vortheil?"
„Das ist leicht zu erklären. Erinnern wir uns des Sturmesjener Nacht — welch eine Hochzeitsnacht war die unsere, Cäcilie!"
„Sie war fürchterlich!" antwortete sie schaudernd; dann mitplötzlichem freundlichem Lächeln, als wollte sie jeden Schein desMißvergnügens oder der Sorge aus ihrem Antlitz verbannen, fuhrsie fort: „Aber ich glaube nicht länger an Vorzeichen, Lionel!oder wenn uns eines erschienen — ist nicht die schreckliche Erfüllung