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Ihr Kind? Sie ist einem Andern vermählt. — Du kommst zuspät! Du kvmmst zu spät! Wollte Gott, Du hättest sie zu rechterZeit von mir verlangt-"
„Die Wahrheit — die Wahrheit — die Wahrheit!" fuhr derGreis fort — „die heilige nnd unverhüllte Wahrheit! Diese gibuns und Nichts anderes!"
Eine so kräftige und feierliche Aufforderung erweckte die letzteKraft des Weibes, dessen innerste Seele vor diesem Nnfe zu er-beben schien. Sie machte eine Anstrengung sich zu erheben, und rief:
„Wer sagt, daß ich sterbe? Ich bin erst siebenzig! undgestern erst war ich noch Kind — ein reines unbeflecktes Kind!Er lügt — er lügt! Ich habe keinen tödtlichen Brand in mir —ich bin stark und habe noch Jahre zu leben und zu bereuen."
Zwischen die Pausen ihrer Antwort hörte man immer wiederdie Stimme des alten Mannes.
„Die Wahrheit — die Wahrheit -— die heilige, unverhüllteWahrheit!"
„Laßt mich aufstehen und nach der Sonne schauen," fuhr dassterbende Weib fort. „Wo seyd ihr? Cäcilie, Lionel — meineKinder, verlaßt ihr mich schon? Warum verfinstert ihr das Zim-mer? Gebt mir Licht —- mehr Licht! mehr Licht! bei Allem imHimmel und auf Erden, überlaßt mich nicht dieser schwarzen,fürchterlichen Finsterniß!"
Ihr Anblick war so graß verzweiflungsvoll geworden, daßselbst Ralphs Stimme verstummte, während sic ununterbrochen diePein ihrer Seele auszurasen fortfuhr:
„Warum zu Jemand, wie ich, vom Tode reden? — MeineZeit ist zu kurz gewesen! — gebt mir Tage — gebt mir Stun-den — gebt mir Augenblicke! Cäcilie, Agnes — Abigail; wo seydihr? — helft mir oder ich falle!"
Sie erhob sich mit verzweifelter Anstrengung und griff wildnach der leeren Luft. Sie erreichte Lionels ausgestreckte Hand,