Druckschrift 
7 (1842) Lionel Lincoln, oder die Belagerung von Boston : eine amerikanische Erzählung aus dem Jahre 1780
Entstehung
Seite
359
Einzelbild herunterladen
 

359

Lionel schauderte vor Entsetzen, als er die erzwungenen, ab-gebrochenen Laute ihrer Stimme hörte, während sie also die sehn-süchtigen Wünsche ihres Herzens aussprach. Er wandte sich aber-mals weg von dem Anblick und begrub einen Augenblick das Ge-sicht in beide Hände, als wollte er die Welt und ihre Nichtswür-digkeit zumal vor seinen Augen verschließen.

„Meine Großmutter! blicken Sie nicht so wild auf uns!"fuhr die beklommene Cäcilie fort — „noch können Sie Stunden,ja Tage vor sich haben." Sie schwieg einen Augenblick, um demunstäten, hoffnungslosen Blick eines Auges zu folgen, das ver-zweifelnd an den Gegenständen im Zimmer hinglitt; dann, mitmilder Zuversicht ans ihre eigene Reinheit — ihr Antlitz mit bei-den Händen bedeckend, rief sie in ihrem schweren Kamps:

„Mutter meiner Mutter! Wollte Gott, ich könnte für Dichsterben!"

„Sterben!" wiederholte dieselbe mißtönende Stimme, wie zuvor,aus einer Kehle, die bereits bei der beschleunigten Annäherung desTodes zu röcheln anfing — „wer wird sterben mitten unter denFestlichkeiten einer Hochzeit? — Weg — verlaß mich! -— AufDein Zimmer und auf Deine Knie, wenn Du willst — aber ver-laß mich!"

Sie folgte mit einem Blicke bitteren Haffes CäcilienS entschwin-dender Gestalt, welche in der mitleidigen, frommen Abficht, ihrerGroßmutter Befehle buchstäblich zu vollziehen, gehorchte; dannfuhr die Sterbende fort:

„Das Mädchen ist der Aufgabe nicht gewachsen, die ich ihrauferlegte. Alle von meinem Geschlecht sind schwach gewesen,außer ich — meine Tochter — meines Gemahls Nichte-"

„Was willst Du mit dieser Nichte?" begann hier Ralphsfurchtbare Grabesstimme, das krankhafte Umherirrcn ihrer Seeleunterbrechend — „dieses Weib Deines Neffen— die Mutter dieses