deutlich und bestimmt, um verdreht oder mißverstanden zu werden.Gerade ihre Kälte gab ihr einen schrecklichen Anstrich der Wahrheit.
„lind glaubt Jhr's denn?" fragte sie mit einer Stimme, derengedämpfter Ton hinlänglich verricth , wie sie um leinen Preis eine be-jahende Versicherung hören wollte. „Sie! Lionel Lincoln, den ichfür meinen Freund gehalten hatte."
Lionel wandte sich schweigend von dem traurigen Anblick ihresElendes ab, aber Cäcilie kniete jetzt neben dem Bette der Krankennieder, und erhob, ein schönes Bild frommer Hoffnung, die gefaltetenHände, indem sie murmelte:
„Der ist kein Freund, theuerstc Großmutter, der mit schmei-chelnder Hoffnung eine scheidende Seele bethören wollte! Aber eSgibt eine bessere, eine sicherere Stütze, als diese ganze Welt ge-währen kann!"
„Und auch Du," rief das verzweifelnde Weib, indem sie sichmit einer Kraft und Energie aufrichtete, welche die gelehrte Kunstihres Arztes herauszufordern schien — „auch Du verkästest mich?Du, die ich in der Kindheit bewacht, im Leiden gepflegt, im Glückverzärtelt, ja! und in Tugend auferzogen habe — Ja, das kannich kühn vor dem Angesichte der ganzen Welt behaupten. — Du,die ich zu dieser ehrenvollen Heirath gebracht — und Du willst mirmit schwarzem Undank alles Dieses lohnen?"
„Meine Großmutter! Meine Großmutter! sprich nicht so grau-sam zu Deinem Kinde! Stütze Dich jetzt um Beistand auf jenenFels der Jahrhunderte, so wie ich mich auf Dich einst ge-stützt habe!"
„Weg, weg — schwaches, thörichteS Kind! Das Uebermaßdes Glücks hat Dich sinnlos gemacht! Komm Du her, meinSohn! laß uns von Navenscliffe, dem Sitze unserer Ahnen, sprechenund von den Tagen, die wir noch unter seinem gastlichen Dacheverleben werden. Das thörichte Mädchen, das Du zum Weibegenommen, möchte mich gerne erschrecken!"