Druckschrift 
7 (1842) Lionel Lincoln, oder die Belagerung von Boston : eine amerikanische Erzählung aus dem Jahre 1780
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

323

k>

Tremontstraße einzutreffen, wobei er der Vorsicht wegen die Stundefür alle noch folgenden Geschäfte hinlänglich früh bestimmte.Sein Reitknecht und Kammerdiener hatten entsprechende besondereBefehle, und so war denn Alles noch lange vor dem wichtigenAugenblick auf eine Weise vorbereitet, daß ein Fehlschlagen seinerErwartungen ihm als unmöglich erscheinen mußte.

Es lag wohl in Lionels Gemüth der Keim einer, vielleichtetwas krankhaften Romantik, welche jetzt der Grund war, weshalbdie verborgenen Schritte, die er vorhatte, ihm einen großen, geheimenReiz darboten. Jedenfalls war er nicht ganz frei von einem Anstrichjener melancholischen, kränkelnden Laune, welche wir als charakteri-stisches Merkmal seines Stammes bezeichnet haben: auch fühlte ersich darum nicht eben weniger glücklich, weil er ein wenig unglück-lich war. Doch hatte er, entweder durch die Thätigkeit seinesGeistes oder in Folge der trefflichen Erziehung, welche er genossen,und die ihn frühzeitig für sich selbst zu handeln genöthigt,den bösen Geist in seinem Innern so weit bezwingen gelernt, daßdessen Einfluß für Andere und oft auch für ihn selbst unmerklichwurde, und so war er ebender Mann geblieben, wie wir ihn aufdiesen Blättern darzustellen versucht haben nicht ohne Fehler^aber sicherlich mit vielen hohen und edlen Tugenden geschmückt.

Als der Tag sich seinem Ende näherte, versammelte sich derkleine Familienzirkel in der Tremontstraße in gewohnter Weise, umdas Abendessen einzunehmen, wie es zu jener Zeit in allen Kolonienherkömmliche Sitte war. Cäcilie war blaß und manchmal konnteman ein leichtes Zittern in der kleinen Hand bemerken, wenn siedie Geschäfte bei der Tafel verrichtete; doch lag dabei eine er--zwungene Ruhe in ihren feuchten Augen, welche die Entschlossen-heit bezeugte, die sie zu ihrem Beistand aufgeboten hatte, um dieWünsche ihrer Großmutter zu erfüllen. Agnes Danforth warstill und nachdenklich, obwohl zuweilen ein gelegentlicher Blickmerken ließ, was sie von der Heimlichkeit und Ueberraschung der

»