319
gewöhnliche Feierlichkeit die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer fesselte;„aber ich habe nach andere und tiefere Beweggründe. Habe ichnicht allbereits die Gefahren und Hebel des Aufschubs erfahren?Ihr seyd jung und gut; warum fälltet Ihr nicht glücklich sehn?Cäcilie, wenn Du mich liebst und verehrst, wie ich es von Dirglaube, so wirst Du heute noch seine Gattin!"
„Lassen Sie mir nur einige Bedenkzeit, theuerste Großmutter.Das Band ist so neu und so feierlich! Major Lincoln — theurcrLionel — Sie sind nicht gewohnt, ungroßmüthig zu sehn; ichüberlasse mich ganz Ihrer Güte!"
Lionel sprach nicht und Mrs. Lechemere antwortete ruhig:
„Nicht seine Bitte, Kind, die meine ist es, die Du erfül-len wirst."
Miß Dynevor erhob sich von ihrem Sitz an Liouels Seitemit einer Miene beleidigten Zartgefühls und sagte mit trübemLächeln zur ihrem Geliebten:
„Krankheit hat meine gute Mutter ängstlich und schwach ge-macht — wollen Sie meine Bitte entschuldigen, mit ihr alleinzu seyn?"
„Ich verlasse Sie, Cäcilie," sagte er; „wenn Sie aber meinStillschweigen irgend einem andern Beweggrund, als der zartenRücksicht für Ihre Gefühle zuschreiben, so sind Sie eben so unge-recht gegen sich selbst, wie gegen mich."
Sie sprach ihre Dankbarkeit nur in Blicken aus und entferntesich unverzüglich, um das Resultat ihrer Unterredung in seinemeigenen Zimmer abzuwarten. Die halbe Stunde, welche Lionelhier zubrachte, erschien ihm länger als ein halbes Jahr; dochnach Verfluß dieser kurzen Zeit erschien Meriton, um ihm anzu-kündigen, Mrs. Lechmere erbitte sich abermals seine Gegenwart inihrem Zimmer.
Ihr erster Blick versicherte Major Lincoln, daß seine Sachetrirunphirt hatte. Seine Tante war auf ihre Kiffen zurückgesunken.