419
hin. Hinweisend ans das liebliche Gesicht der Dame, welche gerademit zärtlichem Mitleiden das der Indianerin anblickte, hielt erinne, und überließ es seinem Weibe, eine Schönheit zu betrachten,die ihrem eigenen Geiste eben so ausgezeichnet dünkte, als sie fürden Charakter ihres treulosen Gatten gefährlich geworden. Alser dafür hielt, daß sie ihre Nebenbuhlerin, damit der Gegensatzrecht schlagend wirke, lange genug angesehen, zog er plötzlicheinen kleinen Spiegel hervor, der an ihrer Brust hing, einSchmuck, den er ihr selbst, in einer zärtlichen Stunde, ihrerSchönheit schmeichelnd, geschenkt, und zeigte der Armen darin ihreigenes, dunkelcs Gesicht. Dann winkte der Teton, sein Kleid festeranziehend, dem Jäger, ihm zu folgen. Während er mit stolzemSchritt hinaustrat, murmelte er bei sich:
„Mahtoree ist sehr weise! Welche Nation hat eine» so großenHäuptling, als die Dahcotahs?"
Tachechana stand einen Augenblick lang, als wäre sie zu einerStatue der Demuth eingefroren. Drinnen in dem milden und sonstso fröhlichen Wesen arbeitete cs, als solle das Band zwischen ihrerSeele und der Hälfte, deren Aussehen ihr jetzt zur unerträglichenBürde geworden, auf immer getrennt werden. Jnez und Ellenwußten durchaus nicht, was zwischen ihr und ihrem Gatten vor-gefallen, wenn auch der Scharfblick der Letzter» zu einem Verdachtführte, dessen Jnez unschuldige Seele ganz unfähig war. Beidewollten der jungen Indianerin indessen ihre zärtliche Theilnahmezu erkennen geben, wie es die weibliche schöne Seele überall mitsich bringt, als mit einemmale alle Ursache dazu verschwundenschien. Die krampfhaften Bewegungen im Gesichte der jungenFrau hörten plötzlich auf, ihr Gesicht wurde ruhig und starr, wieein gemeißelter Stein. Nichts blieb als ein Ausdruck unterdrückterAngst, und das auf einem Gesichte, welches selten zuvor etwasvon Kummer wußte. Und dieser Ausdruck blieb, trotz dem Wechselin langen Jahren vo» Hitze und Kälte, Glück und Unglück, den