382
Elisabeth war nun ganz der Gewalt der Bestie preisgcgeben.Man sagt, cS liege etwas in dem Antlitz van Gottes Ebenbildc,was de» Mnth aller untergeordneten Geschöpfe eiuschüchtere; und«s konnte scheinen, daß eine solche Gewalt auch in dem gegenwärtigenAugenblicke das drohende Acnßerste verzögerte. Die Angen desUngeheuers und des knieenden Mädchens begegneten sich sür einenMoment, worauf das Erstere den Kopf senkte, um den gefallene»Feind zu untersuchen und das Zunge zu beriechen. Sobald es jedochdes Letzteren ansichtig wurde, schossen seine Augen neue Glutblitzc;es peitschte sich die Seiten wüthcnd mit dem Schweife und seineKrallen traten zollang aus den breiten Tatzen hervor.
Miß Temple wollte oder konnte sich nicht von der Stelle be-wegen. Ihre Hände waren zum Gebet gefaltet, aber ihre Angenruhten dabei unablässig auf ihrem schrecklichen Feinde; ihre Wangenglichen an Weiße dem Marmor und ihre Lippen waren vor Ent-setzen leicht geöffnet. Der Augenblick eines schrecklichen Endes schiennun gekommen zu seyn, und Elisabeths schöne Gestalt ergab sichbereits demüthig in dieses herbe Aenßerste, als ein Rauschen vonBlättern hinter ihrem Rücken eher ihr Ohr zu necken, als wirklicheHoffnung zu erwecken schien.
„Bst! Bst!" ließ sich eine Stimme, vernehmen. „BückenSie sich tiefer; Ihr Hut verbirgt mir den Kopf der Bestie."
Es war mehr ein Nachgeben gegen die gebieterische Machtder Natur, als eine Willfährigkeit gegen diese unerwartete Auf-forderung, was unsere Heldin veranlaßte, das Haupt auf ihreBrust sinken zu lassen, als sie ans einmal den Knall einer Büchse,das Pfeifen der Kugel und das wüthende Heulen der Bestie ver-nahm, welche sich auf der Erde überkugelte, in ihr eigenes Fleischdie Zähne schlug und, so weit ihre Pfote» reichten, Aeste undZweige zerriß. Zm nächste» Augenblick eilte Lederstrumpf aufElisabeth zu, während er laut seinem Hunde zurief: