196
Das Leien ist nur eine Kette von Mühen,
Wo jeder hinpilgert auf dorniger Bahn.
Drum laßt in die Arme der Freude uns fliehen;
Bedenkt, daß im Dornbüsche Rosen auch blühen,
Nicht überall naget des Kummers Zahn!
Drum fort mit den Grillen,
Und fort mit den Stillen —
Daß Sorgen nicht streuen die silbernen FlockenZn frühe in unsere dunkele» Locken.
Nun, Duke, was hältst Du davon? Ich habe noch einenVerS in petto, aber eS fehlt mir noch die letzte Zeile, bei der esmit dem Reime nicht recht gehen will. — Was sagst Du zu dieserMusik, alter John? Ist sie nicht so gut als eines von DeinenKriegsliedern, he?"
„Gut," entgegnete Mohegan, der dem Getränk der Wirthinredlich zugesprochen und gelegentlich auch den Rundkrügen desMajors und des Richters die gebührende Achtung erzeigt hatte.
„Bravo! bravo! Richard!" rief der Major, dessen schwarzeAugen bereits zu schwimmen begannen. „Bravissimo! Ein präch-tiges Lied, — aber Natty Bumppo weiß »och ein schöneres.Lederstrumpf, willst Du nicht singen? Sag' an, alter Knabe,willst Du nicht ein Waldlied singen?"
„Nein, »ein, Major," erwiederte der Jäger mit einem schwer-müthigen Kopfschütteln. „Ich habe leben müssen, um zu sehen,was meine Augen in diesen Bergen nimmer zu schauen hofften,und da ist mir die Lust zum Singen vergangen. Wenn er, derdas Recht hat, hier zu gebieten, sich genöthigt sieht, seinen Durstmit Schneeweißer zu stillen, so ziemt eS denen, die von seinemEigenthnme leben, schlecht, sich lustig zu machen, als ob es aufder Welt nichts gäbe als Sonnenschein und Sommer."
Als Lcderstrumpf ausgesprochen hatte, ließ er seinen Kopfwieder auf die Kniee sinken und verbarg seine harten, runzlichtenZüge mit den Händen. Der schnelle Wechsel von der grimmigen