192
rief Natty, „und vor dem Gesetz soll Keiner dem Anderngegenüber ein Vorrecht haben. Letzten Dienstag waren es vier-zehn Tage, daß ich einen Hirsch anschoß, der jedoch über dieSchneedämme und einen Heckenzaun wegsetzte. Ich eile hintendrein; das Schloß meiner Büchse fängt sich in den Zweigen, daßich es nicht gleich wieder los machen kann, und ehe ich mich'Sversehe, ist das Thier auf und davon. Nun möchte ich auch wissen,wer mir diesen Bock zahlen soll, der noch obendrein ein ganzherrliches Thier war? Wäre der Zaun nicht da gewesen, so hätteich wohl noch einmal schießen können, imd ich habe meiner Lebtagenie auf Etwas, das nicht Flügel hatte, dreimal abgedrückt. Nein,nein, Richter; die Ansiedelungen machen das Wild selten, nichtdie Jäger."
„Der Hirsch ist allerdings nicht mehr so häufig, wie zur Zeitdes alten Kriegs, Vumppo," sagte der Major, der aus seinenTabakswolken heraus aufmerksam zngehört hatte; „aber das Landist nicht geschaffen für das Wild, sondern für Christenmenschen."
„Ei, Major, ich glaube, Sie sind ein Freund des Rechtesund der Gerechtigkeit, obgleich Sie so oft in das große Haus gehen;aber ist eö nicht hart, wenn einem Manne sein ehrliches Gewerbe,von dem er lebt, durch Gesetze gehemmt wird? Wenn'S nachdemRechte geht, so muß Einer jeden Tag der Woche im ganzen Pa-tent fischen und jagen dürfen, wenn er Lust dazu hat."
„Ich verstehe Ench, Lederstrumpf," entgegnete der Major,indem er seine schwarzen Augen mit einem bedeutungsvollen Blickauf den Jäger heftete; „aber Ihr seyd doch sonst nie so klug ge-wesen, Euch allzusehr um das zu kümmern, was kommen könnte?"
„Vielleicht hatte ich nicht so viel Anlaß dazu," sagte derJäger ein wenig verdrießlich, und versank darauf in ein Schweigen,das er geraume Zeit nicht wieder brach.
„Der Richter hat vorhin von den Franzosen erzählen wollen,"bemerkte Hiram, da die Unterhaltung jetzt ein wenig stocken wollte.