Druckschrift 
1 (1841) Der letzte Mohikan : eine Erzählung aus dem Jahre 1757
Entstehung
Seite
469
Einzelbild herunterladen
 

-169

Krieger fest und kummervoll auf das kalte, leblose Antlitz seinesSohnes. So unverwandt und innig war dieser Blick, seine Hal-tung so unvcrrückt, daß ein Fremder den Lebenden von dem Todtennur an dem gelegentlichen Spiel eines aufgeregten Geistes, dassich auf dem düstern Antlitze des Vaters uralte, und an der todten-ähnlichen Ruhe, die sich für immer auf den Zügen des Sohnesgelagert hatte, unterschieden haben würde.

Der Kundschafter stand dicht daneben, in nachdenklicher Stel-lung aus seine todbringende Rächerwaffe gelehnt, während Tamc-nund, von den Aeltesten seiner Nation unterstützt, einen erhöhtenPlatz einnahm, von wo er die stumme, von Gram bewegte Ver-sammlung überblicken konnte.

In dem innern Rande des Kreises stand ein Offizier, in derUniform einer fremden Nation; außerhalb war sein Schlachtroß,von einer Anzahl berittener Diener umgeben, die sich, wie es schien,auf eine ferne Reise bereitet hatten. Der Anzug des Fremdenzeigte, daß er in der nächsten Umgebung des Statthalters vonCanada eine angesehene Stellung inne habe. Wie es schien, warseine Absicht, Frieden zu stiften, durch das wilde Ungestüm seinerVerbündeten vereitelt worden, und er mußte sich nun begnügen,ein schweigsamer Zeuge der traurigen Früchte eines Streites zuseyn, dein vorzubeugen er zu spät gekommen war.

Der Tag nahte sich dem Ende seines ersten Viertels und im-mer noch verharrte die Menge in dem athcmlosen Schweigen,welches seit dem vergangenen Abende unter ihr herrschte. Nichtshörte man, als etwa einen unterdrückten Seufzer, kein Glied hattesich die lange Zeit über gerührt, außer um die einfachen und rüh-renden Opferdienstc zu versehen, die von Zeit zu Zeit dem An-denken der Verstorbenen gebracht wurden. Nur die Geduld undAusdauer indianischer Seelenstärke konnte solch einen Anscheinlebendigen Todes ertragen, welcher die dunkeln, bewegungslosenGestalten in Stein verwandelt zu haben schien.