Druckschrift 
1 (1841) Der letzte Mohikan : eine Erzählung aus dem Jahre 1757
Entstehung
Seite
437
Einzelbild herunterladen
 

437

das Erscheinen und den Vorgang der Führerin erwarten, um einenwichtigen Flug in die Ferne zu unternehmen.

Ein junger Krieger trat endlich aus Uncas'Wohnung; er gingmit ernstem, bedächtigem Schritt auf eine Zwcrgfichte los, die ausden Spalten der Felsenterrasse wuchs, zog ihr die Rinde ab undkehrte, ohne zu sprechen, wieder dahin zurück, woher er gekommenwar. Ihm folgte bald ein zweiter, welcher den Baum seindr Aeste be-raubte und den Stamm kahl und entblößt ^ zurückließ. Ein dritterfärbte den Pfosten mit einer dunkelrothen Malerei. Alle diese Zeichenvon feindlicher Absicht bei den Führern der Nation wurden vonden umstehenden Kriegern mit düsterem, bedeutungsvollem Schweigenaufgenommen. Endlich erschien der Mohikaner wieder selbst: erhatte seinen Anzug bis auf den Gürtel und die Beinkleider abgelegt,und die eine Hälfte seiner schönen Gesichtszüge war mit tiefemSchwarz, wie mit einer drohenden Wolke bedeckt.

Langsam und würdevoll näherte sich Uncas dem Pfosten undbegann ihn alsbald abgemessenen Schrittes zu umkreisen, nicht un-ähnlich einem Tanze des Nlterthnms; während er zugleich seineStimme zu einem wilden, regellosen Kriegsgesang erhob. Die Tönestiegen zn der äußersten Höhe menschlicher Laute, oft so melancholischund klagend, daß sie mit dem Gesänge der Vögel wetteiferten; unddann wieder in plötzlichen Uebergängen so tief und kraftvoll,daß die Zuhörer darunter schauerten. Der Worte waren wenige,sie wiederholten sich oft, gingen von einer Art Hymne oder einemAnrufen der Gottheit allmählig darauf über, das Kriegsvorhabenanzukündigen, und schloßen, wie sie begannen, mit der Anerkennungseiner Abhängigkeit von dem großen Geiste. Wenn es möglichwäre, die ausdrucksvolle, melodische Sprache des jungen Kriegerszu übertragen, so möchte die Ode etwa so lauten:

* Ein Baum, welcher theilwcise oder ganz seiner Rinde beraubt ist, heißtin der Landessprache dlareS (gebläßt). Der Ausdruck ist gut, da einPferd mit einem weißen Abzeichen ebenfalls dta- genannt wird.