Druckschrift 
1 (1841) Der letzte Mohikan : eine Erzählung aus dem Jahre 1757
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

235

die jetzt erfolgte». lleberall war der Tod, und zwar in seinenschrecklichsten, abscheulichsten Gestalten. Widerstand diente nurdazu, die Wuth der Mörder noch mehr zu entflammen. Sieführten noch ihre wüthenden Streiche, wenn ihre Opfer sie schon langenicht mehr fühlen konnten. Die Ströme von Blut glichen denWoge» eines Gießbachs, und sein Anblick machte die Eingebornenso hitzig und wüthcnd, daß manche unter ihnen niederknieten, umunter höllischem Jauchzen die dunkelrothe Fluth aufzutrinken.

Die regelmäßigen Truppen warfen sich schnell in gedrängteMassen zusammen, um den Angreifern durch eine geschloffeneSchlachtordnung zu imponiren. Der Versuch gelang zum Theil,aber nur zu viele Soldaten ließen sich, in der eitel» Hoffnung, dieWilden zu beschwichtigen, die ungeladenen Flinten aus den Händenreißen.

Während einer solchen Scene vermochte niemand die vorüber-eilenden Augenblicke zu zählen. Zehn Minuten, für sie ebensoviele Jahrhunderte, mochten die Schwestern erstarrt vor Entsetzenund beinahe rettungslos gestanden seyn. Als der erste Streichgefallen war, hatten sich ihre Begleiterinnen laut kreischend um siezusammengedrängt, jede Flucht verhindernd, und nun, da Furcht oderTod die Meisten, wo nicht Alle, zerstreut hatte, sahen sie nirgendeinen Ausweg, der nicht unter die Tomahawks der Feinde geführthätte. Von allen Seiten hörte man Geschrei, Gestöhn, Ermah-, nungen und Flüche. In diesem Augenblick war es Alicen alserblickte sie die hohe Gestalt ihres Vaters unaufhaltsam über dieEbene in der Richtung des französischen Lagers dahin eilend. Erwar allerdings, keine Gefahr achtend, auf dem Wege zu Montcalm,um die nur zu späte Begleitung, die er ausbedungen hatte, zuverlangen. Fünfzig blitzende Streitäxte, Sperre mit Widerhakendrohten seinem Leben, aber selbst noch in ihrer Wuth achteten dieWilden seinen Rang und seine unerschütterliche Ruhe. Die verderb-lichen Waffen wichen der immer noch nervigen Hand des Veteranen,