Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

Dichtung und Fabel.

L5

dünkt, wir drei Schwestern haben uns mit demHeer unserer Pfuscher und Freycr nichts vorzu-werfen.

Aber dennoch, siel ihr die Poesie ein, erinneredich an die Zeiten deines einfachen Ursprunges unddeiner damaligen Wirkung; deine Orpheus undAmphions, wenn auch nur die Halste der Sagenwahr wäre, die uns unsre Mutter Mncmosyne er-zählt hat, wo schaffen, wo wirken sie jetzt?

Freilich, antwortete die Tonkunst, sind dieseJahre meiner Jugend in manchen Landern vorüber;aber nicht ich, sondern sie, diese so genannt-gebildeteWelt ist alt und grau geworden, und will zum Thciljetzt, statt Tone zu genießen, mit Tonen bauen oderSeiltanzen und spielen. Sie bauen auch wirklichwunderhohe harmonische Gebäude, die rasch zumHimmel, zum Verstände hinauf streben, da sieins Heiligthum, zum Herzen nicht mehr kommenkönnen. Das Leichte ist ihnen zu leicht; mit übcr-standcnen Unmöglichkeiten suchen sie zu überraschen,zu prangen, zu glanzen. Glaubt ihr, Schwestern,daß mirs gefalle, wenn man, um eine neue Ton-kunst zu geben, keinem Ton mehr seine Wirkunglaßt, sondern mit Tönen mahlst und poetisirt? MeinerKunst ist dieß so fremde, als da jemand auf denGedanken kam, ein Farbenclavier zu erfinden, undsich wunderte, daß der Kinderjahrmarkt kein Ver-gnügen, wie das Clavicr der Töne machte. Indessensind die achten Wirkungen meiner Kunst gewiß nichtausgcstorbcn auf der Erde. Unter allen Völkern,stlbst unter Türken und Barbaren, lebt sic, und