Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 13 (1821) Nachlese
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

I. Ueber Bild,

76

nicht denkbar, daß nicht immer noch taufend schönereMenschen auf Erden gelebt haben und leben wer-den , als einer deiner Mahler sie mahlte. Diesekopirten sich unaufhörlich, setzten oft, wie sie ammeisten ideal scyn wollten, Ungeheuer auf einander,und wurden bei allen sogenannten Götter- und Hel-denformen, zuletzt so enge und armselig, daß das,was du mir unrecht vorwirfst, vielmehr von ihnengölte: sie klimperten auf einem Instrument von an-derthalb zerrissenen Saiten, die sie die Antikenannten, da das volle Saitenspiel aller Gestaltenund Seelen der Natur, in ihrer Hand hatte se»nsollen. Glaubst du, meine Schwester, der Klumpevon Farben, der auf der Palette liegt, könne mitder Natur wetteifern? geschweige daß er ihre all-mächtige Fülle und Wahrheit übcrtrcffcn sollte? DasFeuer, das auf dem Brettlein gerieben und ent-zündet wird, wird nicht leicht ein menschliches Herzdurchbrenncn, noch weniger die Schöpfung in dieAsche legen, daß man neue Gestalten vom Himmelnöthig habe.

Du wirst zu scharf, meine Tochter, siel ihrder Präsident der Versammlung in die Rede: du ta-delst an der Kunst, was blos Fehler der Künstleroder gar ihrer thörichtcn Lobredner ist, gnug davon,und vertheidige deine Sache. Die Maklerei be-schuldigte dich, daß deine Wirkungen dunkel undverworren, dazu immer unvollendet, vorübergehendund kurz seycn; antworte darüber.

Mich dünkt, sprach sie, darauf ist leicht geant-wortet: wer weiß dieß besser, als du, der Vater