geziemend hielt, Dinge z» betrachten, die nicht zu ihren Vermögcns-verhältnissen paßten. Ihr Vater war übrigens angekommen undzu Rath gezogen worden, so daß jetzt die schöne llhr bereits andem Gürtel des noch schöneren Leibes hing. Die Thräne der Dank-barkeit, die noch in ihrem heitern Auge schwamm, war für michein weit werthvolleres Kleinod, als alle diejenigen, die mein Onkelzur Schau stellen konnte.
Wir waren nach der Bibliothek gewiesen worden — einemGemache, das sich auf der Vorderseite des Hauses befand und mitallen seinen Fenstern nach der Piazza hinausging. Anfangs fühlteich mich ein wenig ergriffen, als ich mich nach so vieljähriger Ab-wesenheit in dieser Weise unbekannt unter dem väterlichen Dachund in meiner eigenen Wohnung befand. Soll ich's bekennen?Nach den Gebäuden, die ich in der alten Welt kennen gelernt hatte,kam mir Alles winzig und gemein vor. Ich will keine Vcrglei-chnngen mit den Palästen der Fürsten und den Wohnsitzen derGroßen anstellen, an die der Amerikaner so gern denkt, wann immervon Gegenständen die Rede ist, welche die ihm gewohnte Umgebungübertreffen, wohl aber habe ich den Baustyl und die Bequemlich-keiten des häuslichen Lebens im Auge, wie man sie im Auslandunter Personen trifft, die in nichts einen Vorzug vor mir anspre-chen, ja, sich kaum meines Gleichen nennen konnten. Mit einemWorte, die amerikanische Aristokratie, oder vielmehr das, was manMode halber bei uns als aristokratisch zu brandmarken Pflegt, würdeunter den meisten Nationen Europas für sehr demokratisch gehaltenwerden. Unsere republikanischen Brüder aus der Schweiz haben ihreSchlösser und ihre Gewohnheiten, die, ohne daß die Freiheit An-stoß daran nähme, hundertmal aristokratischer sind, als nur irgendetwas um Ravensnest, und ich bin überzeugt, wollte man die stol-zeste Wohnung von ganz Amerika einem Europäer als einen ari-stokratischen Sitz zeigen, so würde er darüber in's Fäustchen lachen.Das Geheimniß, welches diesen Anschuldigungen zu Grund liegt, be-