210
begann Onkel Ro, indem er sich, die Mütze in der Hand und mitoffener Truhe, seiner Mutter näherte.
„Ich danke Euch, Freund. Wir Alle hier sind, wie ich glaube,bereits mit Uhren versehen."
„Die meinigen sind sehr wohlfeil."
„Dies glaube ich gerne," versetzte meine theure Großmutterlächelnd; „aber wohlfeile Uhren sind nicht immer die besten. Istdieses allerliebste Bleirohr von Gold?"
„Ja, Madame, es ist von gutem Gold. Wenn's nicht sowäre, würde ich's nicht sagen."
Ich bemerkte ein unterdrücktes Lächeln unter den Mädchen; siewaren jedoch insgesammt zu gut erzogen, um den gewöhnlichenBeobachter bemerken zu lassen, wie possierlich ihnen die in gebro-chenem Englisch gegebene Betheurung meines Onkels vorkam.
„Was soll das Rohr kosten?" fragte meine Großmutter.
Onkel No besaß zu viel Takt, um seine Mutter in einer Weise,die er bei Miller in Anwendung gebracht hatte, zu einem Kaufveranlassen zu wollen, und nannte deßhalb ungefähr den wahrenWerth des Artikels, der sich auf fünfzehn Dollars belief.
„Ich will es nehmen," entgegnete meine Großmutter, indemsie drei halbe Adler in die Truhe fallen ließ.
Dann wandte sie sich an Mary Warre» und ersuchte sie, dasRohr als Geschenk anzunehmen. Dies geschah übrigens in so ach-tungsvoller Weise, daß es vollkommen den Anschein hatte, alswolle sie nicht einen Gefallen erweisen, sondern erbitte sich eine Gunst.
Mary's schönes Antlitz wurde über und über roth. In ihrenZügen drückte sich Freude aus; und sie nahm die Gabe an, obschones-mir vorkam, als zögere sie einen Augenblick, ob sie auch füg-licherweise sich mit einem so werthvollen Gegenstand dürfe beschen-ken lassen. Meine Schwester erbat sich die Bleifeder, um sie be-trachten zu können, und nachdem sie dieselbe bewundert hatte, gingsie von Hand zu Hand, allenthalben um ihrer Form und ihrer Ver-