Druckschrift 
26 (1847) Ravensnest, oder die Rothhäute : eine Erzählung
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

gegeben, daß die Tafel seines Gedächtnisses die Eindrücke besser auf-bewahrt hatte.

Was für Freunde habt Ihr heut bei Euch, Jaas?" fragtemeine Großmutter, indem sie zu gleicher Zeit das Haupt anmuthiggegen uns wanderndes Volk verneigte ein Gruß, zu dessen Er-wiederung wir beide uns ungesäumt erhoben.

Hätte ich dem Dränge meines Herzens Folge geben dürfen, sowäre ich, ich gestehe es ehrlich, ohne Weiteres in den Wagen ge-sprungen, um die noch immer gut aussehenden aber farblosen Wan-gen meiner Großmutter zu küssen und Patty vielleicht auchEinige von den Andern an meine Brust zu drücken. Onkel Nodagegen bewahrte seine Fassung besser, obschon ich bemerken konnte,daß die Worte seiner ehrwürdigen Mutter, in deren Ton sich einkaum bcmerkliches Beben mischte, ihn beinahe überwältigten.

Diese seyn Hausirer, Ma'am, denk' ich wohl," antworteteder Schwarze.Sie hab' eine Truch' mit etwas drinn und hab'auch eine neue Art von Fidel. Wie, junge Mann, gib Miß Dusein Stück aber ein lebhaft, so daß es ein alter Nigger in dieFüß' spür'."

Ich warf den Leierkasten um und sing an, drauf loszuspielen,als mich plötzlich eine holde, süße Stimme mit einer Hast unter-brach, welche den Ton etwas lauter als gewöhnlich erklingen ließ.

Oh, nicht dies, nicht dies die Flöte, die Flöte!" riefMary Warren, über ihre eigene Dreistigkeit bis zu den Augen er-rathend, sobald sie bemerkte, daß sie gehört worden und ich im Be-griffe war, ihrer Aufforderung zu willfahren.

Es ist kaum nöthig, zu sagen, daß ich mich achtungsvoll ver-beugte, den Leierkasten wieder ablegte, die Flöte aus meiner Taschehervorholte und nach einigen Schnörkeln eine der neuesten Arienoder Melodiken aus einer beliebten Oper vorzutragen begann. So-bald ich ein paar Takte durchgemacht hatte, bemerkte ich, daß mei-ner Schwester Martha das Blut nach den Wangen stieg und ihre