121
er schon ohne Sachkenntniß und mit nicht wenig Bosheit sich übersie ausgelassen hatte — eine Freiheit, zu der er sich vollkommendurch den Umstand berechtigt fühlte, daß er mit ihnen in der gleichenCounty wohnte, obschon er nie mit irgend einem Familiengliedeauch nur ein Wort gesprochen, bis der Zufall ihn an Bord desselbenSchiffes in ihre Gesellschaft führte.
„Sir George ist ein Mann von trefflichen Eigenschaften, MißEsfingham, kann ich Euch versichern — ein Mann von unqualisi-zirten Verdiensten. Wir bewohnen dasselbe Staatsgemach, dennich bin ein Freund von Geselligkeit und plaudere lieber ein wenigin meinem Berth, als daß ich immer schlafe. Vermuthlich wißtIhr, daß er ein Baronet ist — nicht daß ich mir auch nur dasMindeste aus Titeln machte, denn die Menschen sind in Wahrheitalle gleich, obschon — obschon-"
„— ungleich in der Wirklichkeit, Sir, wolltet Ihr vermuthlichbeifügen," bemerkte John Esfingham, der an Eva'S Arbeitstischchenlehnte und in seinem adlerartigen Gesicht die Verachtung auS-drückte, welche zu verhehlen er kaum für der Mühe Werth hielt.
„Gewiß nicht, Sir!" rief der erschrockene Steadfast, indem ersich verstohlen umschaute, ob nicht irgend ein ränkesüchtiger Feindvorhanden sey, der diese unglückliche Bemerkung zu seinem Nach-theile deuten könnte. „Gewiß nicht! Die Menschen sind unterallen Umständen gleich und Niemand darf sich anmaßen, besser seynzu wollen, als ein Anderer. Nein, nein — ich mache mir nichtsdaraus, daß Sir George ein Baronet ist, obschon man in den glei-chen vier Wänden lieber mit einem Gentleman, als mit einem rohenMenschen zu thun hat. Sir George ist der Ansicht, Sir, das Schifflaufe große Gefahr, wenn eg in so dunkler Nacht und bei so schmu-tzigem Wetter landeinwärts steure. Ich muß zugeben, Sir Georgsbedient sich für einen Mann von seinem Range vieler ungewöhnli-cher Ausdrücke; so nennt er zum Beispiel das Wetter schmutzigund die Procedur uncomfortabel — Ausdrucksweisen, Gentlemen,