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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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den zu erzählen wußte, viele Theilnahme ein. Die Frau von Rit-terstein (venn Berchthold verdankte diesen Namen seinem Muihe)fand so großes Wohlgefallen an ihrem Gaste, daß sie in ihndrang, er möchte noch einen Tag in dem Schlosse bleiben. Vom Er-zählen ging der Fremde auf Erkundigungen über und wußte dabeiseine Fragen so zu stellen, daß ec bald mit der ganzen Geschichteder Familie bekannt war. Ulrika war die Letzte, welche zur Sprachekam, und die jüngeren weiblichen Familienglieder glaubten eineVeränderung in seinem Wesen zu bemerken, als er den Berichtüber den Schluß ihres Lebens und über ihr friedliches, frommesEnde anhörte. Der Fremde reiste schnell wieder ab, und seinBesuch wäre wahrscheinlich bald in Vergessenheit gekommen, hätteman nicht kurz nachher seinen Körper, im Tode erstarrt, in der Hütteder Heidenmauer aufgefunben. Diejenigen, welche gern den Neigun-gen des Herzens ein romantisches Colortt geben, sind zu glauben ge-neigt, daß dies der Einsiedler gewesen sey, dem es selbst am Schlüsseeines so langen Lebens noch eine geheime Befriedigung gewährte,seinen letzten Athem an der Stelle auszuhauchen, wo er sich von derFrau trennte, die er so treu und so fruchtlos geliebt hatte.

Auf diese Sage mag sie nun wahr oder falsch sehn legenwir kein Gewicht. Unsere Absicht war, in einem rasch hingewor-fenen Lebensbilde unfern Lesern nicht nur die hohen, unveränderli-chen Eigenschaften der Guten, Tugendhaften und wahrhaft Edlenvor Augen zu führen, sondern ihnen auch zu zeigen, mit welchemWiderstreben sich der menschliche Geist von alten Eindrücken loS-zählt, um sich neuen hinzugeben wie sehr das Bekenntniß mitdem Wirken im Widerspruche stehe wie irrthümlich es in jederSekte oder in jedem Glabensbekenntniß sey, das Gute mit demSchlechten zu vermengen und wie unter allen Verhältnissen desDaseynS die Selbstsucht sich durch die gleichen Grundsätze leiten lasse.

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