Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
426
Einzelbild herunterladen
 

426

zunge, von welcher eben die Rede war, eine Frucht der ausgezeich-neten Kenntnisse ist, die Ihr so sehr erhebt."

Dies ist ein Punkt, den ich nicht vorschnell entscheiden möchte,"entgegnete BonifaciuS lächelnd.Möglich ist'S wohl; denn wirbesitzen Berichte von bittere» Zwisten zwischen St. Gallen und An-deren, die sogar gleichfalls der Kirche angehören, über die gutenEigenschaften ihrer Weine."

Ja, und zwar treue Berichte," fügte der Abt bei.Wirwissen von einem Streit zwischen dem Fürstbischof zu Basel undunser» Brüdern zu St. Gallen, der zu schlimmen Entzweiungenund schweren Verlusten führte."

Wie, wollte unser rheinischer Prälat auch Thcil daran ha-ben und bewog ihn das Verlangen nach diesem Safte, auf eine soweite Strecke hin zu abenteuern?"

Du bist über die Beschaffenheit der Keller von St. Gallenim Jrrthume, Sohn Pilgrim. Wir haben zwar auch Weinberge,wie z. B. die am Ufer des Zürcher Sees und andere, die ich auf-führen könnte, beweisen; aber unsere Landweine wärmen nur dasBlut des Bauern. Wer schon Besseres gekostet hat, füllt seinenBecher selten mit einem Safte, der aus den Gegenden diesseits derSchwabengrenze kömmt namentlich, wenn man die Weine desRheingaus noch im Gedächtniß hat. Dagegen liegt das Gebietvon St. Gallen noch weiter von diesen gesegneten Gegenden ab,als wir."

Ich bedarf einer weiteren Aufklärung, durchlauchtigster Abt;denn es ist bekannt, daß der Basler zu uns kommt, wenn er gutenStoff haben will, während die von Euch namhaft gemachte Fehdeihn nur weiter vom Ziele abführen konnte."

Du bist wohl nicht hieher gekommen, mein Sohn, ohne aufden Lauf des Rheines geachtet zu haben, an dessen Ufern Du solange reistest. Dieser große Strom ist zwar wild und gefährlichunter den Bergen, er dient aber doch dazu, unsere Vorräthe beizu-